Skip to content

Terroristen- Im Dutzend billiger

15. Juli 2008

Einen drastischen Fall von kontraproduktivem Sicherheitstheater gibt es wieder einmal aus den USA zu vermelden. Die dortige „Terrorliste“, also die in der Datenbank des Zentrums zur Terrorüberwachung festgehaltene Liste der Menschen, die „als mutmaßliche oder bekannte Terroristen gelten“ ist, knapp sieben Jahre nach den Terroranschlägen des 11. September, auf über eine Million Namen angewschsen. Das melden unter anderem der Spiegel und die Welt in ihren Online-Ausgaben unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP. Dort wird auch berichtet, dass diese Inflation des Terroristen-Etiketts offenbar noch lange nicht ihr Ende erreicht hat: „Nach Informationen von Bürgerrechtlern kommen jeden Monat rund 20.000 Einträge dazu.“ Die Bürgerrechtler von der American Civil Liberties Union (ACLU) berufen sich bei dieser Aussage auf das US-Justizministerium.

Kuriositäten, wie dass beispielsweise der längst tote ehemalige irakische Diktator Saddam Hussein noch immer auf der Liste zu finden sein soll und bis vor kurzem auch Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela und mindestens ein US-Senator (einem Bericht der Stuttgarter Zeitung zufolge sogar die lebende politische Legende Ted Kennedy) dort standen, tragen nur dazu bei, ein grundsätzliches Problem zu illustrieren: Die Kriterien für die Aufnahme einer Person in die Antiterrordatei sind sehr unscharf und treffen offensichtlich auch auf zahlreiche unschuldige Menschen zu. Natürlich, denn niemand, der bei geistiger Gesundheit ist, würde annehmen, dass es in den USA wirklich eine Million Terroristen gibt.

Es liegt auf der Hand, dass eine derart mit Unschuldigen angefüllte „Verdächtigenliste“ unmöglich ein effektives Werkzeug zur Terrorismusbekämpfung darstellen kann. Wahrscheinlicher ist, dass ein solches Konstrukt die Ermittler auf falsche Fährten lenkt und ihnen mehr schadet als nützt. Abgesehen davon bringt diese Liste auch erhebliche (in meinen Augen unverhältnismäßige) Nachteile für diejenigen mit sichdie unverschuldet als Terrorverdächtige eingestuft werden. „Die Überwachungsliste ist ein perfektes Symbol für das, was falsch läuft beim Umgang der Regierung mit dem Terrorismus: Sie ist unfair, außer Kontrolle geraten, miserabel verwaltet, eine Verschwendung von Ressourcen, und es ist ein sehr reales Hindernis im Leben von Milliarden Reisenden“, fasst ACLU-Vertreter Barry Steinhardt die Kritik an der überfütterten Terrorliste zusammen.

Diejenigen, die immer noch Zweifel daran haben, dass verdachtsunabhängige Überwachung und Einschränkungen unserer Freiheit keine adäquaten Mittel sind, effektiv und im Sinne der Bevölkerung gegen den Terrorismus vorzugehen, sollten sich diesen Fall einmal genau ansehen- er ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, wieso solche Maßnahmen zum Scheitern verurteilt sind. Maßnahmen wie die Terrorliste machen uns weder frei, noch sicher- sie machen uns lediglich zu Opfern unserer eigenen Paranoia und der Machtgelüste einiger Politiker.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: