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Massive Bedenken gegen elektronische Gesundheitskarte

18. Juni 2007

Laut dem Hauptgeschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Armin Ehl, sprechen sich immer mehr Ärzte massiv gegen die geplante elektronische Gesundheitskarte aus. Dies berichtet Golem. Gerade niedergelassene Ärzte aber zunehmend auch Klinikpersonal äußern Bedenken über die Einführung dieser Technologie, so Ehl.

Ehl äußerte die Vermutung, dass vielen seiner Kollegen erst allmählich bewusst wird, wie groß die technischen Möglichkeiten (und damit auch das Missbrauchspotential) bei der elektronischen Gesundheitskarte sind.

„Nach Angaben von Ehl wollen Ärzte die Gesundheitskarte, die auch Daten über Krankheiten, Veranlagung oder verschriebene Medikamente speichern kann, nicht in der jetzigen Form haben. Ein Datenmissbrauch sei so nicht auszuschließen, das Vertrauen der Patienten werde gestört,“ heißt es bei Golem. Nun wollen einige Ärzte sogar Widerstand gegen die geplante Vergabe von Testkarten leisten.

Ehl befürchtet, dass auf die Daten, sobald sie einmal in elektronischer Form zentral vorliegen, auch Unbefugte Zugriff erhalten. So wären die medizinischen Daten auf der Gesundheitskarte beispielsweise für Arbeitgeber und Versicherer sehr attraktiv, enthalten sie doch die komplette Krankengeschichte und mögliche genetische Vorbelastungen einer Person. Käme es zu diesem Fall, wären wir der Horror-Vision aus Science-Fiction-Filmen wie „GATTACA“ (darin geht es um eine Welt, in der die gesellschaftliche Position eines Menschen von seiner genetischen „Ausstattung“ bestimmt wird) wieder einen Schritt näher. Personen mit genetischen Vorbelastungen oder solche, die in der Vergangenheit z.B. unter Depressionen oder anderen psychischen Problemen gelitten haben könnten so Probleme bekommen, überhaupt einen Job zu finden, selbst wenn sie qualifiziert und zum fraglichen Zeitpunkt uneingeschränkt leistungsfähig sind. Auch ungesunder Lebenswandel könnte so möglicherweise noch stärker kontrolliert und gesellschaftlich verurteilt werden, was wieder ein Schritt ist hin zu einer Gesellschaft, in der es vollkommen verpönt ist, ein wie auch immer geartetes Risiko einzugehen.

Dieses Missbrauchspotential sieht auch Ehl und nennt die LKW-Maut als Beispiel dafür, dass einmal erhobene Daten zunächst einmal in jeder beliebigen Form nutzbar sind: „Die Daten aus der Lkw-Maut könnten auch für die Ringfahndung genutzt werden“, meinte er zu diesem Thema.

Ehls Kollegin Christiane Groß machte noch auf die Tatsache aufmerksam, dass sich Fehler bei einer solchen Art der Datenerfassung nur schwer korrigieren lassen und daher möglicherweise ernsthafte Folgen haben. Sie plädierte alternativ dafür, jedem Patienten die entsprechenden Daten auf einem Speichermedium mitzugeben und so dezentral zu lagern.

Es sollte der Regierung zu denken geben, wenn nach den Anwälten nun eine zweite für die Gesellschaft essentiell wichtige Berufsgruppe massive Bedenken an der neuen Gesetzgebung anmeldet. So langsam muss doch klar werden, dass das ständige Vernachlässigen des Datenschutzes auf die Dauer nicht tragbar ist. Ohne Privatsphäre kann eine Gesellschaft nun einmal nicht auf Dauer funktionieren. Es wäre jetzt ein Schritt in die richtige Richtung, sich mit Vertretern der Ärzte an einen Tisch zu setzen und über Alternativen nachzudenken.

Und wo wir schon einmal dabei sind: Viele Informatiker sind momentan auch nicht gerade glücklich…

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