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George Bush is a Dickshooter

16. Januar 2009
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oder: Was George Bush mit Vito Corleone, Luca Brasi und Butters zu tun hat.

George W. Bush, die Personifikation des “Großen Satan” der Islamisten, der verkörperte Imperialismus vieler Linker, der minderbemittelte Mann mit der Macht, tritt in diesen Tagen ab. Seine Schluss-Pressekonferenz war, wie SPIEGEL ONLINE sehr richtig kommentierte, wie immer, wenn jemand nach langem Dienst abtritt: Man lächelt, ist gerührt, und am Ende war doch alles ganz schön. In diesem Fall: So schön, wie hunderttausende von Toten, zwei Kriege, eine vollends destabilisierte Weltregion, eine zwischen westlich-”demokratisch” und mittelöstlich-”islamistisch” polarisierte Weltbevölkerung und zwei dutzend schlingernde Staaten, die man vor 2001 wenigstens mit Ach und Krach als Rechtsstaaten bezeichnen konnte, eben sein können.

Eigentlich interessiert mich dieser Auszug aus 1600, Pennsylvania Avenue nur insoweit, als ein völlig ungeeigneter Präsident durch einen vielleicht geeigneteren ersetzt wird. Am Rande sagte Bush aber etwas, das zeigt, was für ein Mann er ist, dieser George Walker Bush. Er sagte in Bezug auf seine Präsidentschaft, insbesondere den ‚war on terror‘: “Man kann über viele dieser Entscheidungen diskutieren. Aber es ist schwer, über die Ergebnisse zu diskutieren.”

Was meint der Mann? Zugespitzt: “Ich habe gefoltert, gemordet, gebrandschatzt, zum Hass aufgestachelt, aber hey, es hat wenigstens was gebracht!” Dieser mehrfache Kriegsverbrecher und Vollversager schreibt sich im Satz darauf auch noch den “Erfolg” zu, dass es seit 2001 keine Terroranschläge mehr in den USA gegeben hat. In den acht Jahren VOR 2001, seit 1993 nämlich, hat es allerdings auch keine nennenswerten Anschläge gegeben. Deswegen: Klarer Fall von naturalistischem Fehlschluss, er macht aus einer puren Koinzidenz eine Kausalitätskette.

Aber nehmen wir zu seinen Gunsten an, dass die Toten, die Kriege, die Destabilisierung und die Sabotage der Rechtsordnung in den USA und indirekt auch anderswo tatsächlich kausal zum Ausbleiben großer Anschläge geführt haben. Selbst dann: Bush rechtfertigt seine Verbrechen damit, dass er Erfolg gehabt hat.

Das bedeutet, in der Welt des GWB darf man, wenn man nur die richtigen Zwecke hat, ALLES dafür tun, denn welche Greuel außer systematischem Völkermord hat er nicht begangen oder begehen lassen? Ich will mich gar nicht erst darauf einlassen, seine Zwecke genauer zu untersuchen und (in dubio pro reo, noch so ein Opfer seiner Politik) annehmen, sie seien tatsächlich rechtschaffen gewesen. Selbst dann wirft sein Denken alles, was in 2500 Jahren der Geschichte der Ethik gedacht worden ist, über den Haufen, vom Utilitarismus, der wenigstens noch eine Zweck-Mittel-Abwägung erzwingt, über die Mitgefühlsethik des von Bush so abstoßend vor sich hergetragenen Christentums und den Mäßigungsideen des Aristoteles bis hin zur komplexen kantischen Entscheidungssystematik. Er zeigt, dass er durch und durch unethisch ist, und zwar im wertfreiesten Sinne des Wortes: Seine Entscheidungen werden von keinem nachvollziehbaren ethischen Grundgedanken geleitet. Er hat ganz offenkundig darauf vertraut, dass er sich schon die richtigen Zwecke aussucht, und musste dann, wie bequem! nicht mehr über die Mittel nachdenken, die er anwendete. Das ist abscheulich, das ist die Definition von Unmenschlichkeit. Erwachsen aus dem bigott-protestantischen Sumpf der superreichen texanischen Öl-Multi-Familie Bush, aus diesem sozialen Milieu, in dem Skrupellosigkeit geradezu als Tugend gilt, wenn sie nur den gewünschten Erfolg herbeiführt, hat es ein Mann an die Spitze der Macht geschafft, der die ethische Integrität des fiktiven Mafiabosses Don Vito Corleone aufwies und aufweist. Der ließ einem Bandleader, der seinen Patensohn nicht aus einem Vertrag entlassen wollte, eine Pistole an den Kopf setzen, um die Unterschrift zu erreichen. Im Gegensatz zu Bush hat il padrino, der Pate, nie Kinder oder Frauen ermorden lassen – insofern gleicht Bush eher Luca Brasi, dem wahnsinnigen Schlächter, den sich Corleone hält, um ihn nach Bedarf auf Menschen loszulassen. Brasi tötete ein von ihm gezeugtes Neugeborenes, um nicht finanziell für das Kind aufkommen zu müssen, indem er es in einen Ofen warf. Bush hat mit absoluter Rücksichtslosigkeit für seine Zwecke gestritten, und manches, was er tat, hätte Don Corleone sicherlich infamia genannt: Eine unentschuldbare, ekelhafte Handlung.

Es fragt sich nur noch, wer der “Don” zu Luca-George Bush-Brasi ist – ist es seine eigene pathologische Veranlagung bzw. sein fleißig erkokstes und ersoffenes breiteres Bewusstsein, die ihn sich im Auftrag Gottes handeln wähnen lassen? Ist es der aufgeblähte Sicherheitsapparat der USA, ist es der militärisch-industrielle Komplex, oder die faschistoiden Thinktanks der Neokonservativen? Ich weiß es nicht. Die Geschichte wird, wenn ich ein alter Mann bin, anfangen, Antworten darauf zu suchen.

Noch eine fiktive Figur fällt mir beim Gedanken an Bush ein: Butters Stotch aus meinem Lieblingscartoon South Park, ein dummer, erzrechter Junge, der ständig von Eric Cartman, dem kleinen Teufel und Antisemiten, Rassisten, Sexisten und Faschisten der Serie, für dessen Zwecke instrumentalisiert wird. Als Cartman einmal eine chinesische Infiltration der USA heraufziehen wähnt, beginnen die beiden einen bewaffneten Kampf gegen selbige. Dabei schießt Butters mehrfach vermeintlichen Feinden in den Genitalbereich. Nach dem dritten Mal wird es Cartman zu viel: “Dude, you don’t shoot a guy in the dick! If that’s how you’re going to save America, you can do it on your own.” (Alter, du kannst doch ’nem Kerl nicht in den Schwanz schießen! Wenn du Amerika SO retten willst, kannst du das alleine machen.)

Bush hat in mehr Schwänze geschossen als irgendjemand sonst unter dem Banner der Freiheit. Deshalb schlage ich als seinen präsidialen Spitznamen “Dickshooting George” vor.

Annika und ich möchten uns hiermit symbolisch von George Bush verabschieden und ihm in bester Southpark-Manier ein kräftiges “thanks for nothing, asshole!” über den Großen Teich zurufen. Eine Ära der Unberechenbarkeit amerikanischer Politik geht zuende. Wir freuen uns über das Ende dieser historisch wichtigsten und zugleich schlechtesten Präsidentschaft der Geschichte der USA.

George möge sich in Zukunft mit Dingen befassen, die er beherrscht, zum Beispiel saufen oder Holz hacken. Vielleicht sorgt Nachfolger Obama dafür, dass wir beim Anblick einer amerikanischen Flagge wieder nicht mehr nur an Krieg, Folter und Notstandsstaat denken müssen.

See you, George…NOT!

MfG
Das Team Freiheitblog

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