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Transportation Stupidity Agency?

24. August 2008

Ein interessanter Artikel über kontraproduktives Sicherheitstheater, in diesem Fall in den USA, findet sich (wieder einmal) bei Bruce Schneier. Schneier beschreibt, unter Berufung auf aktuelle News-Artikel, das Vorgehen der amerikanischen Flugsicherheitsbehörde TSA, deren Bemühungen, Terroranschläge auf den Luftreiseverkehr zu verhindern, offenbar mehr Ärger machen, als sie wert sind.

So zitiert Schneier unter anderem Berichte aus der Flugzeugindustrie und des Nachrichtensenders ABC, laut denen ein „übereifriger TSA-Mitarbeiter“ um ein parkendes Flugzeug zu kontrollieren an Bauteilen herumgeklettert ist, die „unabdingbar für die Funktion der Bordcomputer“ sind und durch diesen Stunt ernsthaft beschädigt hätten werden können. Es dürfte nicht allzu schwierig sein, diese Aktion vom Sicherheitsaspekt her zu beurteilen. Wer, um das rechnerisch gesehen ohnehin verschwindend geringe Risiko eines Terroranschlages zu verringern, technische Probleme an Bord des betroffenen Flugzeugs riskiert, die unter ungünstigen Umständen ebenso fatal für Passagiere und Crew sein können (aber ungleich wahrscheinlicher sein dürften) würde wahrscheinlich auch Fliegen in seiner Wohnung mit einem Raketenwerfer bekämpfen. Was jemand mit einer solchen Risikoeinschätzung bei einer staatlichen Sicherheitsbehörde zu suchen hat, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben.

Auch der Umgangston der TSA-Angehörigen wird von Schneier kritisiert. Endgültig absurd wird das Ganze aber, wenn man einen Blick auf die zunehmend ins unermessliche wachsenden und nach hoffnungslos untauglichen Kriterien gefüllten „No-Fly-Lists“ wirft, auf denen, wie man weiß, bereits tote Terroristen ebenso zu finden sind wie (ebenso unbescholtene wie hochdekorierte) amerikanische Kriegsveteranen, US-Senatoren und Grundschulkinder. Es dürfte so gut wie ausgeschlossen sein, dass eine derartige Liste bestimmungsgemäß bei einer effektiven Terrorismusbekämpfung hilft- umso mehr, als es für Betroffene relativ trivial ist, zu fliegen, obwohl sie auf der „No-Fly-List“ stehen. So berichtet Denise Robinson, die Mutter eines achtjährigen Jungen, der seit seinem fünften Lebensjahr die zweifelhafte Ehre hat, von der TSA für einen mutmaßlichen Terroristen gehalten zu werden, dass sie „den Verantwortlichen sagt, dass ihr Sohn auf der Liste ist, ein hohes Trinkgeld gibt und Bordkarten bekommt“ oder das Ticket für ihren Sohn einfach unter dem Namen „J. Pierce Robinson“ statt „James Robinson“ kauft.

Wir haben es hier also offenbar mit einer Behörde zu tun, die Unschuldigen das Leben schwermacht, dafür aber oft genug jede Form von Effektivität vermissen lässt und teilweise sogar das Sicherheitsniveau im Luftverkehr durch Übereifer und mangelnde Fachkompetenz verringert. Ein besseres Beispiel dafür, dass Maßnahmen, die vorgeblich unsere Sicherheit erhöhen, oft genug irgendwas zwischen „gar nichts“ und „dem genau gegenteiligen Effekt“ erreichen, kann es kaum geben. Es wird Zeit, dass die Verantwortungsträger sowohl in den USA als auch im Rest der von Terrorhysterie befallenen „westlichen Welt“ endlich den Unterschied zwischen Sicherheit und Sicherheitstheater lernen und auf dieser Basis effektive, sozialverträgliche Konzepte entwickeln.

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3 Kommentare leave one →
  1. Guido Strunck permalink
    24. August 2008 7:25 pm

    Bei etlichen Terroristen dürften die wirren Folgeaktivitäten staatlicher Behörden mit zur Anschlagsplanung gehören. Die unmittelbaren Opfer und Zerstörungen eines Terroranschlags sind rasch wieder vergessen. Aber die dauerhaften Einschränkungen der Bürgerrechte und Freiheiten durch die eigene Regierung erinnern die Bevölkerung nachhaltig an die Ziele der Terroristen. Wird diese Regierung dadurch von der Bevölkerung abgewählt und kommt es so zu einem Politikwechsel, haben die Terroristen sogar im Nachhinein ihren Hauptfeind – eine missliebige, meist ausländische Regierung – besiegt oder doch zumindest stark geschwächt.

  2. Annika permalink*
    24. August 2008 8:12 pm

    Ich bin überzeugt, dass Du recht hast, und auch Schneier hat sich öfter so geäußert. Der Begriff „Terror“ kommt ja nicht von ungefähr; es geht um die Angst der Betroffenen und ihre daraus entstehenden Reaktionen.

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