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Die EFF und die Hackerrechte

8. August 2008

Unter deutschen IT-Spezialisten (besonders natürlich Security-Experten und solchen, die es werden wollen) ist, nicht erst seit der Stellungnahme des Chaos Computer Club, immer wieder der sogenannte Hackertool-Paragraph §202c (StGb) Thema. Die Beschäftigung mit bestimmten Themen, insbesondere der Einsatz oder die Erstellung als „Hackertools“ eingestufter Software, wird durch diesen Paragraphen zu einer höchst problematischen Angelegenheit, da momentan niemand mit absoluter Sicherheit sagen kann, ob diese Software nun unter allen Umständen oder nur im Falle einer destruktiven Verwendung strafrechtlich relevant ist. Die Beschäftigung mit dieser Software aber ist, da ist sich die Mehrheit der Fachleute einig, unerlässlich für Forschung, Lehre und Dienstleistung im IT-Sicherheitsbereich und somit für die Aufrechterhaltung eines adäquaten Sicherheitsstandards. Findet diese Auseinandersetzung aus Angst vor Kriminalisierung oder falsch verstandenen moralischen Bedenken nicht statt, verliert die Gesellschaft auf Dauer den Anschluss an den Stand der Technik und kann sich nicht mehr effektiv vor den sich stetig weiter entwickelnden Bedrohungen schützen.

Ähnliche Probleme haben offenbar auch die US-amerikanischen Kollegen der deutschen Betroffenen. Auf der Hackerkonferenz „Black Hat“ nahm sich nun die Electronic Frontier Foundation (EFF) des Themas an und rief eine Kampagne ins Leben, die die Arbeitsbedingungen von IT- und insbesondere Sicherheits-Experten verbessern soll, indem sie sich dafür engagiert, die kontraproduktive Kriminalisierung bestimmter Handlungen zu bekämpfen. Dabei geht es laut heise News vor allem um Themen wie „Reverse Engineering, Veröffentlichungen von Sicherheitslücken sowie Fragen des geistigen Eigentums und der freien Meinungsäußerung“- Themen also, von denen jeder mit der Materie vertraute Mensch weiß, dass sie auch in Deutschland eine Menge Zündstoff bergen. Diejenigen, die sich mit dieser Technologie befassen, die so neu ist, dass sie bei vielen Menschen auf Unverständnis oder sogar generelles Misstrauen stößt, haben weltweit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen- da sind wir 202c-geplagten Deutschen zwar vielleicht ein Extrem- aber kein Einzelfall.

„Programmierer, die Technologie durch Innovation und Forschung austesten, spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Absicherung der Soft- und Hardware, die wir täglich nutzen“, erklärt die Leiterin der Kampagne, Jennifer Granick, und Eward Felten aus dem EFF-Vorstand ergänzt „Wissenschaftler aus den Bereichen Computersicherheit und Datenschutz müssten in der Lage sein, ihre Arbeit ohne Angst vor rechtlichen Bedrohungen zur Diskussion zu stellen“. Damit kommen die beiden zu den selben Schlüssen wie in Deutschland der Chaos Computer Club. Bei der EFF will man nun „eine frühe Verteidigungslinie für Entwickler aufbauen, um ihre legitimen Untersuchungen rechtlich abzusichern.“

Ebenso wie die diesbezüglichen Bemühungen deutscher Gruppen ist die Initiative der EFF für eine möglichst produktive (und angstfreie) Auseinandersetzung mit bestimmten Themen sehr lobenswert und wichtig. Eine Kriminalisierung bestimmter, mitunter (notwendigerweise) kriminellen Methoden ähnelnder, in ihren Konsequenzen und ihrer Intention aber völlig anders gearteter Tätigkeiten ist meines Erachtens weder für eine effektive Bekämpfung von Cyberkriminalität geeignet noch ohne Gefährdung zunehmend wichtiger werdender Arbeit (in der konkreten Bekämpfung bestimmter Bedrohungen, aber auch der Grundlagenforschung und der Ausbildung von Nachwuchs) möglich (eine ausführlichere Behandlung dieser Theorie und der zugrunde liegenden Argumente findet sich beispielsweise hier). Falls die EFF es schafft, dieser von der Politik so oft ignorierten Überzeugung vieler Fachleute etwas mehr Gehör zu verschaffen, ist das ein großer Schritt in die richtige Richtung.

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