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Freiheit und Sicherheit – die neue Betrachtung

19. Juli 2008

Heute möchte ich, da ja damals meine Ansichten über Freiheit und Sicherheit auf großes Interesse und ansehnliche Resonanz trafen, diesen Aufsatz sozusagen auf den neuesten Stand bringen. Ich habe dies schon länger vor; zu allererst: Wenn ihr das hier lest, vergesst bitte alle Axiome und Setzungen, die ich im ersten Aufsatz vorgenommen habe, sie sollen hier keine Geltung mehr haben, wir fangen bei Null an, wenn auch letztlich womöglich einiges, was im alten Aufsatz vorkam, auch wieder hier erscheint. Wieder ist, was ich schreibe, nicht als Behauptung einer allgemeinen Erkenntnis zu verstehen: Es ist lediglich ein Vorschlag, den ich für tauglich halte, um auf seiner Grundlage ein gelingendes Zusammenleben und speziell einen gelingenden Umgang mit Gefahren für Staat und Gesellschaft umzugehen – auf „Faktizität“, das heißt darauf, ob nun mein Verständnis der beiden großen Begriffe ihre „Realität“ trifft, kommt es nicht an, ja, ich bestreite sogar, dass diese Begriffe als Gesamtbegriffe gesehen Faktizität überhaupt besitzen – sie sind Fiktionen, die nicht Selbstzweck sind, sondern wiederum selbst einem Zweck dienen. Inwieweit doch eine indirekte Faktizität der beiden Konzepte vorliegt, wird am Ende des Aufsatzes besprochen werden. Letzte Vorbemerkung: Ich verzichte auf den Realisierbarkeitsanspruch wie immer voll und ganz, wie es mir gerade in den Kram passt.

Politisch opportun, wenn auch philosophisch etwas ungewöhnlich, beginne ich heute mit der Sicherheit. Hierbei möchte ich eine mehrfache Unterscheidung im Gesamtbegriff der Sicherheit einführen und dazu den Begriff von „allgemeiner Sicherheit“ definieren oder auch fingieren (Verb zu Fiktion) als die Gesamtheit derjenigen Begriffe, die wir mit dem Worte Sicherheit bezeichnen – diese Definition erscheint auf den ersten Blick redundant, sie wird sich aber am Ende als höchst zweckmäßig erweisen, da so eine Möglichkeit geschaffen wird, von der Sicherheit insgesamt zu sprechen und, wie man am Ende sehen wird, auch von ihren Einzelaspekten.

Sinnvoll für ein differenziertes und dennoch „ergebnisfähiges“ Denken erscheint mir eine vierfache „Kachelung“ der Sicherheit – ich möchte das als Schlagwort mit „Sicherheitskaro“ bezeichnen. Hierbei ist die allgemeine Sicherheit stets in ihrer Gesamtheit erhalten – die Unterscheidungen dienen nur dazu, den „klobigen“ Begriff besser gebrauchbar zu machen.

Die vier Aspekte (oder mit Hegel „Momente“) der Sicherheit sind gefühlte und tatsächliche, innere und äußere Sicherheit; was diese im einzelnen bedeuten, kann jedoch nicht sinnvoll ohne die Kenntnis der Freiheit gedacht werden. Deswegen müssen wir nun erst die Freiheit behandeln; auch die Freiheit hat die Eigenschaft, als Ganzes, als Begriff, als Einheit nicht fassbar zu sein – weshalb wir ihr als Fiktion auch Momente geben müssen, um sie begreifen zu können. Ich schlage, nahe am Freiheitsbegriff, den Rolf Gröschner an meiner Universität (FSU Jena) lehrt, folgende Konstruktion vor:

Die Freiheit kann nicht „gehabt“ werden, sondern man kann nur frei sein, das heißt, wenn eine Person etwa nur einen Aspekt der Freiheit in sich einschließt, ist sie nicht frei.

Die Freiheit muss gedacht werden: Menschliches Zusammenleben ohne das Axiom der Würde, ohne, unphilosophisch gesprochen, die Annahme, der Mensch könne sich selbst gestalten, ist nicht denkbar – denn ein nicht selbstgesteuertes Wesen kann keine Verantwortung, keine Pflicht haben, es würde buchstäblich undenkbar, von einem Menschen etwas zu verlangen.

Zuerst zu der äußeren Freiheit (die in den folgenden Absätzen nur gemeint ist):

Die Freiheit muss, damit überhaupt eine Republik (ein Freistaat, nicht etwa nur eine „königsfreie Zone“, wie die meisten anachronistisch die Republik denken, dazu vielleicht ein zukünftiger Einzelartikel) entsteht, geliebte Freiheit sein: Republiken sind ideengeschichtlich immer aus Tyranneien hervorgegangen, di e zu Fall kamen, weil die Menschen die Freiheit wollten, aus ganzem Herzen wollten. Auch die Verteidigung der einmal konstituierten Freiheit, notfalls auch mit Gewalt und unter dem Einsatz von Leib und Leben, erwächst aus dem Moment der geliebten Freiheit.

Die Freiheit muss weiterhin, damit sie in der Realität weiter ihren Ausdruck findet, gelebte Freiheit sein: Wenn den Menschen die Freiheit nicht mehr wichtig ist, wenn sie etwa ihre institutionellen Freiheit mit ihren Ausformungen wie dem Wahlrecht oder dem Recht, Prozesse zu führen oder Verträge zu schließen, nicht mehr verwenden, dann verschwindet die Freiheit – faktisch, weil die Institutionen zusammenbrechen, und theoretisch, weil die Freiheit eben erst durch das Handeln der Menschen in Freiheit ihren Gehalt in der Realität erhält, ohnedies ist sie ein Begriff ohne Inhalt, ein bloßes Wort.

Die Freiheit muss, damit sie von den nachfolgenden Generationen, die sie nicht erkämpft haben, noch verstanden wird, auch gelehrte Freiheit sein; in den Bildungssystemen und in der Erziehung im Elternhaus muss sie das oberste Lernziel sein (damit ist ausdrücklich kein Plädoyer gehalten für laisser faire und ähnliche fairlä…fahrlässigen Experimente auf Kosten von Kindern). Dazu ist auch die innere Freiheit von Bedeutung, die folgend besprochen wird.

Zuletzt muss die Freiheit auch verantwortliche und verantwortete Freiheit sein. Solipsistisch, das heißt allein mit Blick auf das Individuum, braucht Freiheit keine Verantwortung: Sie hat keine Grenzen, die sie sich setzen müsste. Wenn man aber den Mensch einbringt in eine Gesellschaft, und das gelingende Zusammenleben aller Individuen in der Gesellschaft zum Maßstab nimmt, braucht es verantwortliche Freiheit: Jeder muss sich, um mit Hobbes zu sprechen, auf diejenige Freiheit beschränken, die er auch dem anderen zugesteht – die verantwortete Freiheit, die wie das Kondensat der verantwortlichen Freiheit ist, ist dann die Rechtsordnung, zuvörderst die Verfassung. Diese verfasste Freiheit ist gleichsam das Biotop der gelebten Freiheit: Die Einrichtungen der freiheitsorientierten staatlichen Gesellschaft oder Republik müssen die tatsächliche Möglichkeit schaffen, die Freiheit zu leben.

Zum Verlust der äußeren Freiheit möchte ich im Beitrag zur Republik Stellung nehmen.

Nun noch zur inneren Freiheit:

Grundsätzlich nehmen wir, wie oben beschrieben, als notwendiges Grundaxiom alles menschlichen Zusammenlebens in jedem Menschen die Fähigkeit an, sich selbst zu bestimmen; wie sehr das tatsächlich der Fall ist, differiert allerdings (was auf die Menschenwürdezuschreibung keinen Einfluss hat, wohl aber auf andere Dinge). Ein Mensch, der durch äußere Umstände gezwungen ist, sich etwa nur mit seiner reinen Existenzerhaltung zu befassen, kann schwerlich gelebte, geliebte, gelehrte und veranwortliche Freiheit erfahren, denn er ist eben schon durch seine Existenzerhaltung ausgefüllt. Das heißt, damit sie ihr Weiterbestehen ermöglicht, muss die republikanisch organisierte Gesellschaft Umstände schaffen, in denen möglichst niemand gezwungen ist, sich ausschließlich mit seiner Erhaltung zu beschäftigen.

Als weiterer Punkt sollte noch die Unterscheidung zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Freiheit unterschieden werden. Die persönliche Freiheit ist die Freiheit in ihren Aspekten rein auf das Individuum bezogen; die gesellschaftliche Freiheit ist der Grad der Verwirklichung der oben vorgestellten Anforderungen an die republikanische Gesellschaft. Kurz gesagt: Persönliche Freiheit ist die Freiheit des Einzelnen, die gesellschaftliche Freiheit die Freiheit aller.

Zuletzt zur Gesamtverwendung des nunmehr dargestellten Begriffs der Freiheit: Wenn wir ab hier einen Teil verwenden wollen, müssen wir den Rest implizit mitdenken, und wollen wir die allgemeine Freiheit, die Freiheit schlechthin, verwenden, müssen wir die einzelnen Teile sämtlich mitdenken. Zwischen ihnen besteht ein unauflösbarer Verweisungszusammenhang, sie bedingen einander und sind ohneeinander wenn überhaupt denkbar, dann nur Stückwerk.

Da wir nun einen Freiheitsbegriff entworfen haben, können wir darangehen, das Karo der Sicherheit darzulegen; auch zwischen ihren Aspekten besteht wieder ein Verweisungszusammenhang. „Vor die Klammer ziehen“ muss ich noch den Begriff des Risikos: Ein Risiko besteht, wenn die Wahrscheinlichkeit für die Realisierung einer Gefahr so hoch erscheint, dass diese Wahrscheinlichkeit als bedrohlich bewertet wird; eine Gefahr ist die Möglichkeit einer Schädigung eines als bedeutend erachteten Interesses der Bezugsgruppe der Sicherheit. Ein Risiko manifestiert oder realisiert sich dann als Gefahr, wenn die Möglichkeit der Gefährdung eines solchen Interesses nicht mehr nur abstrakt, sondern konkret im Einzelfall besteht. Als Beispiel: Viele empfinden das Risiko, überfallen und ausgeraubt zu werden. Die Gefahr, ausgeraubt zu werden, besteht aber erst dann, wenn sich jemand entschlossen hat, die Person auch tatsächlich auszurauben. Bedeutsam ist noch, dass eine Gefahr auch bei sehr geringer Wahrscheinlichkeit einer Schädigung vorliegt.

Die gefühlte Sicherheit ist das Maß für den Grad des höchstpersönlichen, intuitiven Glaubens, dass keine oder wenigstens akzeptabel wenige Risiken für die als bedeutend erachteten Interessen der Bezugsgruppe (auch nur die eigene Person) bestehen. Ausgeschlossen ist natürlich nicht, dass Wissen über die statistische Sicherheit (s.dort) in die Bildung der gefühlten Sicherheit einfließ; gesteigert wird die gefühlte Sicherheit häufig durch als hilfreich bewertete Sicherheitsmaßnahmen, gesenkt durch das Fehlen derselben.

Jemand mit einer sehr geringen gefühlten Sicherheit wird dadurch vermutlich in seiner inneren Freiheit beschränkt sein, da ihn seinem Glauben nach die Umstände ihn zu bestimmten Handlungen, etwa dem Vermeiden von als risikobeladen oder gefährlichen Situationen. Die gefühlte Sicherheit kann näher oder weniger nah an der tatsächlichen Risiko- und Gefahrenlage sein, und das auch in Teilen: Jemand, der unter geradezu krankhafter Flugangst leidet, kann etwa für die Risiken, die das Internet für das Eigentum enthält, eine sehr realitätsnahe intuitive Sicherheitseinschätzung haben.

Die statistische Sicherheit ist das statistisch errechnete Maß für die Wahrscheinlichkeit der Realisierung eines Risikos oder einer Gruppe von Risiken für die Bezugsgruppe, oder bei Bestehen einer Gefahr das Maß für die Wahrscheinlichkeit der tatsächlichen Schädigung des Interesses der Bezugsgruppe. Wenn in Bezug auf viele und schwere Risiken und Gefahren eine geringe statistische Sicherheit besteht, existiert die Bezugsgruppe insgesamt unter niedriger statistischer Sicherheit.

Wenn die Grundmenge dieser Wahrscheinlichkeiten groß genug ist, ist die statistische Sicherheit der für die Gefahrenabwehr und Risikominimierung wichtigste Orientierungspunkt.

Dabei gilt häufig, bewusst oder unbewusst, die Regel: Je schwerer die mögliche Gefahr, d.h. je weniger wünschenswert die dadurch mögliche Schädigung, desto größer muss der Zeitraum in der Zukunft sein, der als Grundlage zur Berechnung der Wahrscheinlichkeit und damit zur Festlegung der Intensität der Sicherheitsmaßnahmen dient. Würde man zum Beispiel zur Bestimmung der vernünftigen Gegenmaßnahmen gegen Brände in einem kleinen Bezirk nur einen Tag als Berechnungsgrundlage nehmen, würde man kaum Maßnahmen ergreifen, da normalerweise kein Brand an diesem einzigen Tage vorkommt. Da aber ein Brand sehr schwere Schädigungen von Interessen herbeiführt, wählt man einen größeren Berechnungszeitraum, und schon steigt die zum Maß genommene Wahrscheinlichkeit der Realisierung des Brandrisikos und das Eintreten eines Brandes, sodass es doch vernünftig erscheint, ein Feuerwehrsystem zu errichten.

Ist die statistische Sicherheit in einer Bezugsgruppe gering, d.h. bestehen viele und schwere Risiken und Gefahren für ihre Interessen und die Interessen ihrer Teilgruppen und Individuen, so ist ihre Freiheit gefährdet, denn die gelebte Freiheit wird dann dadurch bedroht, dass eben das Ausleben der Freiheit schwerer möglich wird – zumindest dann, wenn die Risiken und Gefahren sich auch in der gefühlten Sicherheit der Individuen niederschlagen, was in vielen Fällen tatsächlich passieren wird. Die Individuen werden ihre Handlungen dann mehr an der Vermeidung von Risiken und der Abwehr von Gefahren orientieren als an dem, was ihr eigentlicher Wille ist, sie werden unfreier – und damit rückt die Bezugsgruppe ab von der Leitidee der Freiheit, die Priorität liegt auf anderen Dingen, und somit kommt sie dem Verlust der Freiheit, wie im Absatz über die gelebte Freiheit erklärt, näher.

Die innere Sicherheit bedeutet hier nicht die Innere Sicherheit eines Staates, sondern etwas, das individuell empfunden und vielleicht am besten mit Selbstgewissheit bezeichnet wird. Es ist dies das Maß für die Intensität des Glaubens daran, als Mensch mit Würde begabt zu sein und den Anspruch auf diese Würde gegenüber anderen auch durchsetzen zu dürfen und zu sollen, sowie das Maß für den gesunden Grad und die Stabilität dessen, was die Psychologie Selbstwertgefühl nennt: Das Empfinden der eigenen Wertigkeit, oder negativ formuliert: Der mangelnde Eindruck, als Person wertvoll zu sein. Dazu und zur inneren Sicherheit insgesamt gehört auch das Vertrauen in die eigene Bewertung der Umstände, in unserem Kontext speziell die Risiko- und Gefahrenbewertung – wer im steten Glauben lebt, seine Risikoeinschätzung sei untauglich, dessen empfundene äußere Sicherheit kann leicht geringer sein als die dessen, der seinen Einschätzungen vertraut, da dieser mehr über die Lage und die Tauglichkeit der Gegenmaßnahmen zu wissen glaubt.

Die äußere Sicherheit ist ebenfalls nicht mit dem politischen Begriff gleichzusetzen; sie ist vielmehr die tatsächliche Risiko- und Gefahrenlage für die Bezugsgruppe. Während gefühlte und statistische äußere Sicherheit ohne weiteres denkbar sind, ist die statistische innere Sicherheit nicht so leicht konstruierbar: Die innere Sicherheit ist nicht die Entsprechung der äußeren Sicherheit im Menschen, sondern ein psychologisches Schlüsselelement für die ‚Herstellung‘ der statistischen und besonders der gefühlten Sicherheit – bei der gefühlten Sicherheit wurde dies schon oben erklärt, zur statistischen nun hier:

Wer eine geringe innere Sicherheit besitzt, wird die Schwere der Gefahren wegen seiner Unsicherheit über die Einschätzung derselben und damit die zeitliche Berechnungsgrundlage aus Vorsicht sehr hoch ansetzen müssen, was dazu führt, dass er sehr starke und weitreichende Sicherheitsmaßnahmen setzen wird – sehr leicht mehr, als es gut ist, was wiederum innere und äußere Freiheit zu gefährden geeignet ist: Die innere Freiheit wird hier wieder durch die intensive Beschäftigung mit fast nur noch den Sicherheitsmaßnahmen stark beschränkt, während die äußere Freiheit einmal über den Umweg der inneren Freiheit in ihrer Möglichkeit behindert, andererseits auch unter Umständen durch die unnötigen Maßnahmen (auf staatlicher Ebene etwa Verbote gewisser Handlungen) selbst stärker als nötig eingeschränkt.

Zuletzt lässt sich noch die Unterscheidung zwischen persönlicher und gesellschaftlicher Sicherheit unterscheiden – der Unterschied zwischen diesen liegt in der Wahl der Bezugsgruppe.

Ich denke, die enge Verknüpfung und gegenseitige Beeinflussung von Freiheit und Sicherheit ist deutlich geworden; wir können nun mit unseren neuen Begriffen das berühmte Zitat Benjamin Franklins genauer verstehen: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu erlangen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit.“

Ich möchte hier einige der diversen Aspekte der Freiheit und Sicherheit einfach einmal „einsetzen“ in diesen großen republikanischen Satz und aufzeigen, wie sich dann die Bedeutung konkretisiert und uns Freiheitsliebenden Aufgaben mitgibt und einen Kanon von hilfreichen Lehrsätzen:

„Wer die äußere Freiheit aufgibt, um innere Sicherheit zu gewinnen, verdient weder äußere Freiheit noch innere Sicherheit.“

So entsteht ein individualethischer Lehrsatz; auch wenn es manchmal bequem wäre, für die Selbstgewissheit Handlungsfreiheit herzugeben, ist es doch falsch: Wer die beiden Werte richtig versteht, wird sie zu einem schonenden Ausgleich bringen wollen, nicht aber für den einen den anderen verkaufen. (Dazu unter den „Einsetzungen“)

„Wer die gelebte Freiheit aufgibt, um die äußere Sicherheit zu gewinnen…“

Das ist eine Formulierung dessen, was wir Bürgerrechtler anmahnen: Wenn wir auf das Ausüben unserer Freiheit verzichten, um Risiken zu minimieren oder Gefahren abzuwehren, diminuieren wir das, was wir eigentlich schützen wollen.

„Wer die persönliche Freiheit aufgibt, um die gesellschaftliche Sicherheit zu gewinnen…“

Ähnlicher Inhalt mit anderem Schwerpunkt: Für ein Interesse der Gesellschaft, etwa Stabilität, darf das Individuum nicht entrechtet werden, denn die gute, republikanische Gesellschaft ist eben nur die, die beides zustande bringt.

(Wenn einem Leser noch andere interessante Kombinationen einfallen, ist er oder sie herzlich eingeladen, sie mit Erklärung in einen Kommentar zu schreiben, ich würde mich freuen.)

Warum nun dürfen wir bspw. die gelebte Freiheit nicht für die äußere Sicherheit verkaufen, und damit auch nicht die gesamte Freiheit und die gesamte Sicherheit gegeneinanderstellen? Wie sich beide in Aspekten und im Ganzen bedingen, habe ich bereits an diversen Stellen dargelegt – wenn man aber die Aspekte von Freiheit und Sicherheit als Werte betrachtet und sie sich so denkt, dass sie gemeinsam ein Wertesystem bilden, eröffnet sich ein weiterer Grund.

Wenn man verschiedene, nicht von vornherein verschieden wichtige Werte hat, die in ihren Richtungen. das heißt in denen im Interesse ihrer Förderung nützlichen Handlungen, einander im Einzelfall entgegenstehen können oder wenigstens sich nicht ganz entsprechen müssen, wird man mit ihnen nur sinnvoll arbeiten können, wenn man vorsichtige Einzelfallgewichtungen der Werte gegeneinander zulässt und durchführt. Das heißt, es muss bei jedem Wert die Möglichkeit bestehen, ihn im Einzelfall zugunsten eines anderen nicht so weit zu fördern, wie es machbar wäre. (Ein solches Wertesystem möchte ich „gleichgeordnetes Wertesystem“ nennen.)

Wenn wir nun unser Wertesystem aus den Aspekten der Freiheit und Sicherheit nehmen, werden wir sehen, dass viele dieser Werte sich widerstreben können, sogar diametral; das gilt sehr offensichtlich beispielsweise für die äußere, persönliche Freiheit und die gesellschaftliche Sicherheit.

Wenn man nun einen dieser Werte über einen anderen erhöht („einen für den anderen verkauft“), entwertet man logisch zwingend damit den anderen, setzt ihn in seiner Wertigkeit gleich 0, denn wenn, gleich was geschieht, der eine den anderen (oder DIE anderen) Werte „sticht“, kommt der dem aufgewerteten entgegenstehende Wert ohnehin nicht mehr in der „Rechnung“ vor. Einen Wert mit der Wertigkeit 0 ins System aufzunehmen, ist aber ein Widerspruch in sich: Ein Vektor, wie man die Werte, da sie Richtung und ‚Länge‘ (Wertigkeit im jeweiligen Fall) haben, wobei Orientierung und Ort hier unbedeutend sind, auch auffassen könnte, ein Vektor also mit der Länge 0 ist kein Vektor.

Da man aber eben Werte aufnimmt, weil man sie im System haben will, weil man sie wichtig findet, kann man nie eine Prävalenz im System von vornherein festlegen, und so kann auch kein Aspekt der Freiheit oder Sicherheit einen anderen Aspekt von vornherein überwiegen. Es mag sein, dass man einen Wert einem anderen sehr häufig vorzieht, aber a priori einen Vorrang zu errichten hieße, das System der verschiedenen, abwägbaren Werte zu vernichten.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal meine Grundthese schlagwortartig fassen (wer nur diese „Parole“ liest und meint, meine Argumentation kritisieren zu können, wird mit glühender gezackter Katzenscheiße beschossen und anschließend geteert, gefedert und mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt. Danke. 😉 ):

„Während es für die Annahme einer Identität von Freiheit und Sicherheit keine guten Gründe, für die Konstruktion einer Identität keine Notwendigkeit gibt, ist es dennoch notwendig, die beiden in ihrem engen Verweisungszusammenhang zu sehen, da das eine ohne das andere niemals schlüssig gedacht werden kann.“

Arrogante Schlussbemerkungen:
Ich habe nicht alle aufgeführten Inhalte selbst erfunden, aber doch wenigstens ein paar. Was nicht von mir ist, habe ich, wenn nicht als Zitat gekennzeichnet, immerhin noch selbst formuliert. Für konstruktive Kritik und Disput bin ich offen, aber bitte dann nicht nur lesen, sondern richtig lesen, sonst gibt es das Goldene Nasenfahrrad als Preis für besondere Verdienste um Geschwafel und Geschwätz verliehen. Der Aufsatz war zu viel Arbeit, als dass ich Halbgares als diskussionswürdige Kritik ansehen würde, deshalb möge mir keiner böse sein, wenn ich von mir völlig subjektiv und despotisch als halbgar eingestufte Kritik (positiv oder negativ) unbeantwortet lasse. 😉 Wer an einer echten Diskussion interessiert ist, möge bitte an meine Mailaddresse ben.k.kuehn@web.de schreiben oder mich im ICQ unter 237096647 ansprechen (für beides stehen auch Verschlüsselungssysteme zur Verfügung.) Danke für’s Lesen, noch mehr für die Geduld, und danke auch schon für den Klick, weil Annika und ich immer total feuchte Augen kriegen, wenn ganz ganz ganz viele Leute auf’s Blog kommen. Echt. 😉
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