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Hackertool-Paragraph auch in UK

4. Januar 2008

Eine ähnliche Gesetzgebung wie Deutschland mit seinem umstrittenen „Hackertool-Paragraphen“ §202c StGb planen nun offenbar auch britische Politiker. Dies berichten unter anderem The Register und Netzpolitik.

Das Erstellen, Verbreiten oder Besitzen von „Hackertools“, also Software, die möglicherweise dem Einbruch in fremde Computersysteme oder Netzwerke dient, soll damit in Großbritannien verboten werden. Angestrebt wird eine Verabschiedung des Gesetzes im kommenden Mai.

Erwartungsgemäß gibt es scharfe Kritik aus der Industrie an dem neuen Entwurf, der im übrigen genau dieselben Probleme und Unsicherheiten mit sich bringt wie sein deutsches Gegenstück. Zwar wurden nun sogenannte „Guidelines“ entwickelt, die eine gewisse Zweckbindung ins Spiel bringen und die Unterscheidung zwischen Sicherheitsüberprüfung und Angriff nahelegen sollen, aber letzten Endes können auch diese nur bedingt helfen, da einerseits der Zweck eines Tools oft sehr schwer feststellbar ist und andererseits auch noch fraglich ist, in wieweit diese „Guidelines“ wirklich Anwendung finden werden.

Das grundätzliche Dilemma bringt The Register ziemlich gut auf den Punkt (weshalb ich hier einfach mal zitiere, auch wenn die Google-Treffer auf der Suche nach diversen Tools dann ins Unermessliche steigen werden): „Der Unterschied beispielsweise zwischen einem Passwort-Cracker und einem „Recovery Tool“ für verlorene Passwörter oder zwischen einem Tool zum Durchführen von DDoS-Angriffen und einem, das dazu da ist, ein Netzwerk einem Belastungstest zu unterziehen, sind oft subtil. Das Problem ist, dass alles von nmap über Wireshark bis hin zu Perl sowohl für legitime als auch für illegale Zwecke genutzt werden kann, genau wie man einen Hammer benutzen kann, um ein Regal zu bauen, oder um in ein Auto einzubrechen.“

Dem ist, wie ich finde, wenig hinzuzufügen. Offenbar hat man im Vereinigten Königreich nichts besseres zu tun, als unsere hausgemachten Probleme und Rechtsunsicherheiten 1:1 zu übernehmen. Allerdings kann das kaum verwundern in einem Land, in dem auf das Nicht-Herausgeben von Passwörtern im Falle einer Durchsuchung bis zu fünf Jahre Haft stehen. Die britische Regierung tut sich offenbar schwer damit, ihren Bürgern zuzugestehen, die Möglichkeiten, die das Internet und die IT-Sicherheit und Kryptographie bieten, auch zu nutzen. Wahrscheinlich traut man ihnen nicht zu, verantwortlich damit umzugehen.

Das allerdings ist ein ziemliches Dilemma, denn Alternativen gibt es keine. Man kann kein Computersystem absichern, ohne es mit realistischen Szenarien zu testen, man kann nur sehr schwer gute IT-Security-Kenntnisse erlangen, ohne sich auch mit Angriffsmöglichkeiten und der dabei verwendeten Software befassen, und man kann sich kaum sicher im Internet bewegen, ohne Kryptographie zu nutzen. Wohin es führt, diese Tatsachen zu ignorieren, kann noch keiner genau sagen, aber es ist jedenfalls nicht der Weg, den eine moderne und freie Gesellschaft im 21. Jahrhundert gehen sollte. Das ist aus ethischer Sicht ebenso verkehrt wie aus praktischer.

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2 Kommentare leave one →
  1. Dennis permalink
    5. Januar 2008 6:33 am

    Sehr schön formulierter und auf den Punkt gebrachter Text!

    Die Politik mischt sich mit ihrer „Unwissenheit“ immer mehr ein. Für mich steht fest, dass solche Gesetze nur zum Nachteil für die betroffenen Nutzer des „WWW“ in GB sein werden. Die Hacker (eig. Cracker ) die sich auch so nennen dürfen, schreiben sich ihre eigenen Programmme. Script Kiddys waren noch nie die wirklich Bedrohung im „WWW“.

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