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Sicherheit ist Freiheit – eine Betrachtung

25. November 2007

Es ist mir, vor allem angesichts der Debatte um das vielgeschundene Konzept der „Freiheit“,  ein Bedürfnis geworden, einmal meine Vorstellung von der Freiheit überhaupt zur Diskussion zu stellen. Womöglich kann der eine oder andere etwas damit anfangen. Wer meine Ethik-Reihe verfolgt, wird Aussagen von hier dort wiederfinden.  

Ich hatte die Gedanken dieses Aufsatzes schon zum Teil gefasst, als mir auffiel, dass „Freiheit ist Sicherheit“, die Gruppe, unter deren Dach die Kölner Demonstration organisiert wurde, einen Slogan trägt, der eine höchst provokante Aussage trägt: Sicherheit (die Freiheit von Angst und Risiko) und Freiheit (als Entscheidungsfreiheit) seien gleichzusetzen oder besser: bildeten eine Symbiose. Nebenbei wird die Frage, ob das tatsächlich wahr ist, hier beantwortet. Vielleicht kann der eine oder andere Leser meine Argumente in einer Diskussion gut gebrauchen – ich würde mich freuen, wenn damit unserem Zweck genutzt werden könnte.

Die Freiheit, die diesem Blog den Namen gibt, ist die äußere Freiheit; erst will ich auf die andere, die innere Freiheit zu sprechen kommen.

 

Die relative Willensfreiheit und die „Freiheit im Streben“ 

Wir Menschen unterliegen in unserer Möglichkeit der Entscheidung zwischen Handlungen (Willensfreiheit) gewissen Zwängen, wobei dieser Begriff hier nicht so negativ gesehen werden soll wie sonst – wir sind Kinder unserer Zeit und die in unserem Umfeld herrschenden Meinungen fließen in unsere Entscheidungen ein; wir sind fühlende Wesen, und unsere Emotionen finden auch oft ihren Platz in unseren Entscheidungen. Wir sind auch Instinktwesen, und manche unserer Handlungen sind instinktgeprägt. Zuletzt sind wir noch Wahrnehmungswesen; was uns unsere Sinne mitteilen, beeinflusst uns.

 

Rationalismus und „Ratioskeptizismus“ – unvereinbare Extrempositionen? 

Die philosophischen Anthropologen der Aufklärung sahen in dem Komplex Umfeld/Emotionen/Instinkte/Sinne eine Gefahr für den „Willen“ des Menschen, vor allem aber einen Widerspruch zum Verstand – Kant zum Beispiel sieht, vereinfacht gesagt, in diesem Willen nur den „guten“ oder „reinen“ Willen, der, losgelöst von dem vorgenannten Komplex, sich rein aus der Kognition, also der Verstandestätigkeit, zu bilden habe. Er war sicher (und ist hierin ironischerweise Kind seiner Zeit, eben der Aufklärung), dass der Mensch sich den reinen Willen schaffen könne, dass eine von allen nicht-verstandesmäßigen Einflüssen freie Entscheidung möglich sei.

 

Spätere Philosophen und besonders heutige kluge und vor allem auch weniger kluge „Denker“ griffen die Idee des freien Willens an; eine in nicht einmal ungebildeten Kreisen verbreitete Ansicht ist, dass der Mensch ein Tier mit Bewusstsein sei. Nach diesen Denkweisen können wir nichts entscheiden, das Bewusste (der Teil von uns, der über sich nachdenkt) gaukele sich nur selbst vor, es träfe Entscheidungen. Die Gefühle, die Sinne, die Erziehung oder was der jeweilige Anhänger der Denkweise vorzieht bestimmten uns ganz und gar. Eine bequeme Haltung – erlaubt sie uns doch das Schwelgen im Selbstmitleid über die eigene Machtlosigkeit und enthebt uns, konsequent zu Ende gedacht, der Notwendigkeit, uns zu rechtfertigen.

 

Ich persönlich halte beide sozusagen extreme Positionen für unrichtig, zumindest aber für untauglich, um sein Leben danach zu gestalten; die aufklärerische Position wird dadurch untauglich, dass der kantische „gute Wille“ in Perfektion für uns unerreichbar ist. Selbst wenn es  gelänge, in den allermeisten Fällen in seinem Leben zu entscheiden, als hätte man keine Gefühle und Instinkte, so gibt es doch Situationen, in denen Gefühl oder Instinkt das Kommando übernehmen. Wenn man sich dem Ideal der reinen Verstandesentscheidung ganz verschriebe, so wäre man nur noch mit sich und der Überprüfung der eigenen Entscheidungen befasst – ein solches Leben wünscht man sich sicherlich nicht. (Zur Unlogik solchen Verhaltens im Weiteren)

 

 Die Selbstzerstörung des Ratioskeptizismus

Gibt man aber die Entscheidungsfreiheit auf, sagt man sich, dass das Bewusstsein völlig machtloser Beobachter sei, so wird man ohne einen Gedanken in den Tag hineinleben; sicherlich ein bequemer Weg, vielleicht sogar angenehm, aber es ergibt sich neben all den praktischen negativen Konsequenzen, die das hat, ein logisches Problem: Wenn ich postuliere, ich sei eines gefühls- und instinktfreien und somit eines verlässlichen Gedankens unfähig, so fällt auch diese Erkenntnis der eigenen Unfreiheit unter das Postulat – d.h., auch der Gedanke, ich könne nicht richtig denken, wäre unrichtig gedacht. Der Ansatz der heutigen „Ratioskeptizisten“ zerstört sich also selbst.

 

 Synthese – Fairness gegen sich selbst und relative Willensfreiheit 

Hinter die Aufklärung kann natürlich nicht zurückgegangen werden, und das will ich auch nicht; ich persönlich verfolge das Modell einer relativen Willensfreiheit – d.h. ich mühe mich nach Kräften, dort, wo es nötig ist, meine Instinkte und Gefühle aus meinem Entscheidungsraum fernzuhalten, aber ich akzeptiere sie als Teil meiner Person – sie machen mich aus, ohne sie wäre ich nicht ich. Außerdem akzeptiere ich, dass ich keine perfekte Verstandesfreiheit erlange, und das einzige, was ich von mir erwarte, ist ein ernsthaftes Bemühen darum, so frei wie möglich zu sein.

 

Darüber hinaus behaupte ich, dass der Komplex, den die Aufklärer sich als außerhalb des Verstandes befindlich dachten, gar keinen Gegensatz zum Verstand bildet. Ich bin vielmehr der Meinung, dass Gefühle, Instinkte und auch äußere Einflüsse auf uns unseren Verstand erst hervorbringen. Die Logik, das analytische Denken und die Fähigkeit dazu sind aus meiner Sicht Produkte des Instinkts, Dinge möglichst genau verstehen und erklären zu können, welcher wiederum im Selbsterhaltungstrieb gründet. Der Verstand bildet sich in Auseinandersetzung mit dem in uns, was wir mit den Tieren gemeinsam haben.

 

Aus dieser Sicht verbietet es sich, den Anspruch zu stellen, ganz und gar verstandesmäßig gesteuert zu sein – man würde damit einen prägenden Teil seiner selbst negieren und außerdem seine relative Willensfreiheit noch untergraben, denn jemand, der ständig in Sorge darum ist, seine Instinkte im Zaum zu halten, ja nicht seinen Gefühlen Ausdruck zu geben, der wird nicht die nötige innere Ruhe haben, um eine möglichst logische, möglichst kluge Entscheidung treffen zu können. Ich halte es daher für eine moralische „Nebenpflicht“, die eigene relative Willensfreiheit möglichst groß zu gestalten, in dem man seiner Seele (den Gefühlen, Instinkten etc) Rechnung trägt und sie nicht verdrängt, sondern zulässt und als Kraftquelle und Teile des eigenen geistigen Körpers betrachtet.

 

 Die Freiheit zu – freedom from

Die äußere Freiheit ist von ganz anderer Natur, über sie zu sprechen, ist uns allen geläufiger, als uns über die innere Freiheit zu unterhalten. Ihr Gehalt ist nicht rein persönlich, sondern kann gesellschaftlich betrachtet werden,  was ich auch tun möchte.

Ich modelliere mir die äußere Freiheit in zwei Teilen; der erste Teil ist „die Freiheit zu“ – die Möglichkeit, sich zu entscheiden, die menschliche Seite DES Kriteriums schlechthin, ob ein Wesen als Mensch zu sehen sei. Das Tier ist einfach; zumindest in den meisten Tieren gibt es kein Bewusstsein, das eine Wahl treffen kann, seine „Entscheidungen“ basieren rein auf klar biologischen Kausalzusammenhängen. Der Mensch aber hat die Willkürmacht, er kann etwas aus sich selbst heraus tun, ohne dass ihn ein Instinkt dazu drängt.

 

Die äußere Willensfreiheit (besser „Handlungsfreiheit“ zu nennen) ist also die Möglichkeit, aus eigener Entscheidung etwas zu tun – sich nicht nur eine Präferenz zu bilden, sondern auch danach zu handeln.

 

Was wäre nun eine Gesellschaft, in der das Primat der Handlungsfreiheit gilt? In der alles hinter dem Prinzip, dass der Mensch selbstbestimmt zu sein habe, zurücktreten muss? Ich lasse einmal einen Film an Eindrücken an uns vorüberziehen und halte ihn an, wenn Widersprüche auftauchen.

 

Dem Menschen sind keine Grenzen gesetzt. Es gibt keine Gesetze, und selbst die Regel, dass es keine Gesetze gibt, existiert in niemandes Kopf, denn das wäre ja eine Grenze…

 

Erster Widerspruch: Eine Gesellschaft ohne Einschränkungen für den Menschen müsste, um sich zu erhalten, die Einschränkung machen, dass es verboten ist, sich Einschränkungen zu unterwerfen – damit ist sie aus sich heraus unmöglich.

 

Aber wir können den Film weiterlaufen lassen, um z.B. dem Argument zu entgehen, dass die Einschränkung, keine Einschränkung sich zu geben, die einzige wäre.

 

Der Mensch in dieser Gesellschaft ist völlig uneingeschränkt, er gibt sich keiner Einschränkung hin, auch persönlich nicht…

Halt, zweiter Widerspruch, Sie sind festgenommen: Unser alter Freund Immanuel Kant hat schon festgestellt, dass ein Entscheidender, der keine Einschränkung akzeptiert, keine Entscheidung treffen kann; nehmen wir an, dieser Entscheidende stünde vor einer definitiven Wahl zwischen zwei Dingen, beispielsweise, jetzt schlafen zu gehen oder später; wählt er das eine, schränkt er sich im Bezug auf das andere ein, er wird sich einen Willen bilden, der auf das eine Ding zielt, und macht damit den Willen, der auf das andere abzielt, unmöglich. Er hat sich eine Einschränkung gegeben – poff, weg war er, denn er war ja darüber definiert, dass er sich keine Einschränkung gibt.

 

Nun ist der unmöglichen Gesellschaft auch noch der Bürger abhanden gekommen. Ich denke deshalb, dass eine Gesellschaft mit dem Primat der Handlungsfreiheit als oberste Regel getrost als undenkbar angesehen werden kann.

Wem die Formallogik zu abgehoben ist, der sagt sich an dieser Stelle einfach: Eine Gesellschaft ohne Beschränkungen für die Handlungen der Mitglieder kann nicht existieren.

Die Freiheit von – der FV-Satz und seine innere Unlogik 

Der zweite Teil der Freiheit ist die Freiheit von, worunter ich vor allem die Abwesenheit von Angst und Risiko verstehe; eine im Sinne der freedom from perfekte Gesellschaft würde unumschränkte soziale Sicherheit bieten, es gäbe keine Kriminalität und alle Abläufe wären vorhersehbar. Auf den ersten Blick mag sich das gut anhören – wenn wir uns aber vorstellen, was passiert, wenn ein Staat die freedom from als einziges Primat hat, so erschaffen wir eine Dystopie: Vorstellbar als „FV-Staat“ wäre ein Ort, an dem die Menschen vom großen Computer zentral gesteuert werden, ihr Bewusstsein weiß, was als Nächstes getan werden wird, die Versorgung ist gesichert und abweichendes Verhalten wie Kriminalität ist schlicht unmöglich. Es gibt keine Pflicht mehr, denn was gefordert ist, tut der Einzelne sowieso durch Befehl des großen Computers. Es gibt keine Rechte mehr, denn jedes Recht kann missbraucht werden und so zur Verringerung der Sicherheit beitragen. Eine Gesellschaft, in der jede Handlung von außen gesteuert wird, um die Freiheit des Menschen von Angst und Risiko zu erschaffen, würden wir reflexartig als diktatorisch, unfrei bezeichnen. Warum? Weil er das Wesen des Menschen, das nun einmal darin besteht, dass seine Handlungen aus ihm selbst heraus festgelegt werden, völlig negiert.  Das heißt: Wenn die freedom from maximal wird, wird die freedom to null. Der Mensch ist kein Mensch mehr, sondern wie die Komponente einer Maschine.

 

Wir, die wir gegen Überwachung eintreten, wissen, dass der Mensch als reiner Teil eines Komplexes kein Mensch mehr ist, wir glauben an den kategorischen Imperativ in der Menschheitszweckformel, hier von mir umgestellt als Imperativ an den Staat: „Der Staat handle stets so, dass er den Menschen nie nur als Mittel zu einem Zwecke (und sei es seine eigene Sicherheit und Ruhe!), sondern stets auch selbst als Zweck ansehe.“ Wenn ich dem Menschen die Freiheit zu entscheiden nehme, um ihm die Freiheit von Angst zu geben, dann ist er nur vordergründig Zweck – denn eine solche Vorgehensweise würde das Gut der Sicherheit und der Freiheit von Angst zum metaphysischen, von Menschen unabhängigen Zweck erklären, dem zu dienen ist, und diesem Zweck würde der Mensch ganz und gar geopfert, denn freedom from ist ohne freedom to leer; der Mensch wird durch seine Entscheidungsmacht erst zum Menschen, ohne sie könnte man auch einen Stein an seine Stelle setzen, denn der Stein ist ebenso frei von Angst und Risiko wie der Mensch in der Freiheit-von-Dystopie – und hat auch die gleiche Möglichkeit, seine Handlungen zu bestimmen.

Das heißt also: Der bestimmende Satz der Freiheit-von-Dystopie (FV-Satz) ist „Ich schütze die Sicherheit des Menschen mit allen Mitteln.“ Das ideale Mittel dazu aber ist die totale Fremdbestimmung des Menschen, wodurch er, wie oben gezeigt, zum Nicht-Menschen wird. Wir müssen also als Folge aus dem FV-Satz den Menschen aus demselben streichen und an dessen Stelle eine gänzlich offene Variable setzen, denn ein Tier, ein Stein oder meinethalben ein brandneuer Ferrari Testarossa kämen ebenso gut in Frage wie das, was ohne Selbstbestimmung vom Menschen bleibt. Die Allvariable aber kann man auch weglassen. Der Satz lautete dann nur mehr „Ich schütze die Sicherheit mit allen Mitteln.“ Wie oben schon behauptet – damit schütze ich nicht die Sicherheit des Menschen, sondern eine abstrakte Idee, die keine Repräsentation in der Realität hat. Alles Tun dieser Gesellschaft wäre auf sich selbst zurückfallend, wäre eine hypothetische Schleife, die in sich zusammenbricht. Ein Staat, dessen Prinzip sich selbst vernichtet, ist aber gar kein Staat, sondern ein surrealistisches Gedankengebäude, eine gute Basis für schauerliche Romane wie „1984“, und vielleicht ist nun jener Teil des Grusels dieser Romane besser erklärbar, für den man nur schwer Worte findet. (Jedenfalls ging es mir so^^)

 

Wem die Unmöglichkeitserklärung auf rein logischer Ebene zu abgehoben ist, für den habe ich noch eine Alternative: Was aber aus einer Gesellschaft wird, die Ideen dient und nicht Menschen, das zeigen die Beispiele NS-Deutschland (hier war die Idee etwa „das Volk“), die stalinistische UdSSR (Idee etwa: „die Revolution“) oder in jüngster Zeit Südkorea (Idee etwa „die Nation“) und der Iran („der Islam“).

 

 Fazit und Rückgriff auf „Freiheit ist Sicherheit“ 

Wir fassen zusammen – freedom from (Sicherheit) und freedom to (Freiheit) im Extrem offenbaren so massive logische Schwächen, dass die dazugehörigen Gesellschaften undenkbar sind.

 

Sind nun, wie unser Slogan schon behauptet, Freiheit und Sicherheit ohne einander nicht zu denken? Dass sie jede für sich nicht als Grundlage einer Gesellschaft zu denken sind, wurde schon gezeigt. Wie funktionieren sie gemeinsam?

 

Nehmen wir eine Gesellschaft an, die Sicherheit und Freiheit der Mitglieder als gleichwertige, nebeneinanderstehende Grundwerte annimmt, d.h. der Freiheit Grenzen setzt, wo die Sicherheit sonst zerstört würde, und im Bereich der Sicherheit Kompromisse macht, wo sie die Freiheit bedroht.

 

Es ist dies eine Gesellschaft, in der die Demokratie den Gestaltungswillen der vor dem Gesetz gleichen Menschen in konstruktive Bahnen lenkt durch ihre Regeln. Es ist dies eine Gesellschaft, in der ein Gegensatz geschaffen wird von Staatsorganen und Bürger, wobei der Bürger gegenüber denjenigen Organen, deren Hauptziel die Schaffung von Sicherheit ist, mit starken, immer durchsetzbaren Abwehrrechten ausgestattet ist. Es ist dies eine Gesellschaft, in der die Meinung und die Rede frei sind, es sei denn, sie griffen die Abwehrrechte anderer oder die erklärte Ordnung des Staates an und gefährdeten somit die Sicherheit. Es ist dies eine Gesellschaft, in der die Bürger ihre eigenen Entscheidungen treffen können, wahre Menschen sind, weil der Staat ihnen das Recht und im Bedarfsfalle auch die nötigen materiellen Voraussetzungen gibt, ihren Willen zu fassen und auszuführen.

 

Ein Widerspruch findet sich nicht. Diese Gesellschaft ist der demokratische und soziale Bundesstaat des Artikels 20 Grundgesetz, der demokratische und soziale Bundesstaat, den wir haben können, wenn wir diejenigen, die am Sozialen und Demokratischen in diesem Land herumpfuschen  und am logischen Gerüst des Staates, dem Ausgleich der beiden „freedoms“, und damit am Staat selbst zu sägen drohen, von ihrem Tun abhalten.

 

Freiheit und Sicherheit sind voneinander nicht zu trennen. Sie sind nicht das Gleiche – aber sie funktionieren nur im Bezug aufeinander. Deshalb:

 

Ja, Freiheit ist Sicherheit!

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8 Kommentare leave one →
  1. 26. November 2007 2:45 pm

    Normalerweise wird die „Freiheit von“, also negative Freiheit, als Abwesenheit von Zwang definiert, nicht als Abwesenheit von Angst und Risiko. Es handedlt sich um einen liberalen Freiheitsbegriff, der vor allem auf Abwehrrechte gegen den Staat abzielt, im Gegensatz zur positiven „Freiheit zu“, die auf soziale Grundrechte abzielt – anders, als hier dargestellt.

    Die Gleichsetzung Freiheit = Sicherheit hinkt daher, weil Abwesenheit von Zwang nicht gleich Abwesenheit von Risiko heißt, wie Sicherheit hier definiert ist. Man müsste außerdem die Sicherheit näher bestimmen, das ist, finde ich, der entscheidende Punkt: die Unterscheidung zwischen Rechtssicherheit (als Vorraussetzung für negative Freiheit) und dem Konzept der inneren Sicherheit, das ziemlich genau das Gegenteil bedeutet.

  2. thoroughthinking permalink
    26. November 2007 4:23 pm

    Soweit die Theorie von Isaiah Berlin, der als erster die Unterscheidung der beiden Freiheitsteile einführte, hast du Recht, aber ich hatte auch nie vor, auf Grundlage seiner Theorie zu argumentieren; meine Definitionen der beiden Freiheiten ist meine eigene und weicht von Berlins ab.

  3. Perle permalink
    28. November 2007 7:05 pm

    Passt nicht ganz so zum Thema, aber der Slogan erinnnert mich an den 2. Spruch aus 1984: „Freiheit is Sklaverei“. Vielleicht wird aus dem „Freiheit ist Sicherheit“ ja auch mal ein schöner Doppeldenkspruch…

  4. 28. November 2007 11:51 pm

    Eine famose Auseinandersetzung mit einem Thema, das leider viel zu wenig mediale/öffentliche Beachtung findet. Besonders gut gefällt mir der Gedanke, dass totale Sicherheit nicht mehr den Menschen, sondern nur noch abstrakte Ideen schützt.

  5. 29. November 2007 12:05 pm

    Zwei Anmerkungen: Die Selbstzerstörung des „Ratioskeptizismus“ ergibt sich auch daraus, dass die Annahme der Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen, selbst schon eine Entscheidung ist.

    Die „Neudefinition“ der Begriffe „freiheit von“ und „Freiheit zu“ halte ich für nicht hilfreich.

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