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Freiheit ist Sicherheit: Demo-Impressionen

24. November 2007

Heute ging endlich die lang erwartete und seit Wochen vorbereitete „Freiheit ist Sicherheit“-Demo in Köln über die Bühne. Um 12 war Treffen auf dem Albertus-Magnus-Platz und eine halbe Stunde später setzte sich der Zug dann in Bewegung. Zunächst war der Zulauf eher spärlich, aber dann kamen die Demonstranten in immer größeren Gruppen. Es waren Aktive aus vielen verschiedenen Gruppen am Start. Besonders prominent waren natürlich die Unterstützer von der Piratenpartei, dem Chaos Computer Club und dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung vertreten, aber auch Linke, Biker, Metal-Fans und natürlich auch „Normalos“ waren dem Aufruf gefolgt.

Insgesamt waren es wohl so um die 500 Leute, die sich durch Köln bewegten. Die von heise oder in Foren angegebenen 300 oder 400 Leute stimmen in meinen Augen nicht so ganz; die Polizei sprach zwischendurch von 450 Leuten und danach stießen auch noch einige spontan Entschlossene hinzu, so dass 500 eine durchaus sehr realistische Zahl ist. Damit wurden unsere Erwartungen in etwa erreicht, obwohl wir natürlich hoffen, dass wir bei zukünftigen Veranstaltungen noch mehr Leute auf die Beine bekommen- immerhin geht es hier um die Rechte aller Bundesbürger.

Mit Slogans wie „Schäuble raus“, „Freiheit ist Sicherheit“, „Freiheit statt Angst“ und „Stoppt den Überwachungsstaat“ ging es durch die Kölner Innenstadt. Nach eher zaghaftem Beginn herrschte im Demozug schon bald eine sehr gute Stimmung. Die Umstehenden dagegen waren teilweise etwas überrascht oder auch eingeschüchtert. Auf ein freundliches Lächeln und das Angebot, sich mit Hilfe unserer Flyer zu informieren, reagierten aber überraschend viele Bürger positiv, auch wenn sich die wenigsten trauten, dem Aufruf „Bürger lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein“ Folge zu leisten. Ob das nun schon Selbstzensur ist oder nur die typisch deutsche Mentalität, kann ich zum jetztigen Zeitpunkt nicht genau sagen.

Die Demo verlief insgesamt sehr friedlich, es gab keinerlei Ausschreitungen und die einzigen etwas kritischeren Situationen entstanden daraus, dass einzelne Demoteilnehmer wohl etwas leichtsinnig mit der Verkehrssituation umgingen. Ansonsten war einfach nur eine klasse Stimmung! An dieser Stelle noch einmal ein sehr großes Lob an die Kölner Polizei, die sich sehr gut mit der Demo-Leitung abgestimmt hatte und einen souveränen, friedlichen Job machte.

Beim „Publikum“ gab es unterschiedliche Reaktionen. Während anfangs viele wie gesagt schlicht überfordert wirkten, aber dann doch Interesse zeigten, gab es natürlich auch die komplett Gleichgültigen- und auch den Einen oder Anderen, der komplett entgegengesetzter Ansicht war und die neuen Maßnahmen uneingeschränkt befürwortete. Teilweise allerdings war den Leuten wohl auch nicht bewusst, wie umfassend staatliche Maßnahmen mittlerweile sind und dass sie wirklich jeden betreffen. Aussagen wie „Das is‘ was für die Computerjungs“ (so gehört auf der Domplatte) tun damit nicht nur den sensationellen 6% Informatikstudentinnen unrecht, sondern gehen auch ziemlich weit an der Problematik vorbei. Egal, wie wenig man sich auch für Technikspielereien begeistert- ein Telefon hat wohl mittlerweile so ziemlich jeder, und das genügt, um ab Januar von der Vorratsdatenspeicherung betroffen zu sein, mit allen Problemen, die das für die Privatsphäre und den Schutz vor falschen Verdächtigungen bedeutet. Genau deswegen sind Demonstrationen und Aufklärungskampagnen so wichtig- die wenigsten Deutschen machen sich anscheinend klar, dass nicht nur ein paar Nerds unter verstärkter staatlicher Überwachung zu leiden haben, sondern praktisch jeder Bundesbürger. Hoffentlich ändert sich das bald, wir tun jedenfalls unser Bestes!

Auf dem Bahnhofsvorplatz angekommen versammelten sich die Demoteilnehmer dann für die Abschlusskundgebung. Angekündigte Redner waren Christoph Brüning von den Freiheitsrednern (einer Aktion des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, die dem Ziel dient, die Bürger über die Privatsphäre, die staatliche Überwachung und die Vorratsdatenspeicherung zu informieren), Rebecca Breu von der Piratenpartei und ich. An dieser Stelle ein großes Lob an die anderen beiden Redner. Trotz der etwas schwierigen technischen Bedingungen lief dieser Teil der Veranstaltung sehr erfreulich ab. Insbesondere Christoph machte seine Sache sehr gut und souverän, wie zu erwarten mit dem Fokus auf die Vorratsdatenspeicherung, die ja das  Hauptanliegen seiner Organisation ist, während „Freiheit ist Sicherheit“ einen breiteren Fokus hat und sich allgemein für Bürgerrechte und gegen übermäßige staatliche Überwachung einsetzt. Die Beurteilung meiner eigenen Rede überlasse ich Anderen; ich kann jedoch aus meiner Perspektive sagen, dass es eine große Ehre für mich war, in diesem Rahmen und vor einem derartigen Publikum zu sprechen!

Nach den Reden sagte Demo-Organisator Klaus Wockenfoth noch einige Worte. Anschließend gab es das sogenannte „offene Megaphon“, bei dem alle Demo-Teilnehmer die Gelegenheit hatten, etwas zu sagen. Auch hierbei gab es einige für mich sehr beeindruckende Beiträge, so zum Beispiel einen ehemaligen Polizeibeamten, der den Anwesenden Polizisten symbolisch ein Grundgesetz überreichte als Erinnerung an ihre Verantwortung, und jemanden aus der ehemaligen DDR, der sagte: „Ich habe vor 18 Jahren in Leipzig für meine Freiheit demonstriert und ich finde es schrecklich, dass ich schon wieder in der Kälte stehen muss, um für diese Rechte zu kämpfen.“

Insgesamt war diese Demo in meinen Augen ein durchaus sehr positives Erlebnis. Vielen Dank an alle, die es dazu gemacht haben! Ich hoffe auf eine mögliche Wiederholung, denn es gibt momentan so einiges in diesem Land, gegen das es sich zu protestieren lohnt.

Ausführliche Berichterstattung (wie ich finde sehr gut gelungen) gibt es auch noch hier bei heise.
Außerdem möchte ich euch die Erfahrungsberichte meiner beiden Mit-Organisatoren Markus und Denny ans Herz legen.

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18 Kommentare leave one →
  1. 24. November 2007 10:57 pm

    Deine Rede fand ich echt gelungen. Kleinere Schwächen im Vortrag waren bestimmt der Aufregung geschuldet (und der Technik. Den Bahnhofsvorplatz bekommt man nunmal nicht vernünftig mit anderthalb Megaphonen beschallt). Aber für meine Begleiter und mich hat das der Inhalt wieder wett gemacht.

  2. 25. November 2007 12:19 am

    War auch dabei und habe berichtet.
    Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt! In diesem Sinne.

    Viele Grüße an alle Teilnehmer und Leser

    tom

  3. 25. November 2007 12:21 am

    Sorry, sollte ein Link werden 😦 Kann das bitte berichtigt werden?

  4. Annika permalink*
    25. November 2007 12:28 am

    Schon passiert 😉 Kein Thema.

  5. 25. November 2007 12:46 am

    Danke! Das ging schnell 🙂

    LG

    tom

  6. 25. November 2007 10:28 pm

    Danke für den Bericht und die Bilder (ein Pirat, der leider keine Zeit für ne „schnelle“ fahrt nach Köln hatte)

    Ich finde es immer wieder erschreckend, dass sich so viele Leute finden, die nicht verstehen, dass diese Gesetze nicht gezielt gegen irgendwelche Terroristen gehen (oder gar gehen können!) sondern ein sprichwörtlicher Schrotschuss in die Menge sind.

  7. 26. November 2007 8:24 am

    Glückwunsch – und klasse Sache… 🙂

  8. 26. November 2007 9:55 am

    Schön find ich das Abschlussbild mit den netten Herrn in grün dahinter 😀

  9. ÖcherJupp permalink
    26. November 2007 11:11 am

    Der ehemalige Polizeibeamte hat ein eigenes Blog:
    http://www.dauerfeuerverarsche.de/2007/11/24/freiheit-ist-sicherheit/

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