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Nach Cyberwar jetzt Cyber-Dschihad?

3. November 2007

Seit ungefähr einer Woche kursieren Gerüchte, dass islamistische Gruppen möglicherweise massive Angriffe auf westliche, israelische und andere missliebige Server und Websites planen. Beginnen sollen diese Angriffe möglicherweise am 11. November. Ausgehend von einer israelischen Zeitschrift mit Schwerpunkt Militär und Sicherheit haben sich diese Gerüchte seitdem im Internet verbreitet. Angeblich sollen „hunderttausende islamistischer Hacker“ ein Programm namens „Electronic Jihad Version 2.0.“, basierend auf der Technik von Distributed-Computing-Projekten wie beispielsweise SETI at home, heruntergeladen haben, und nur darauf warten, es zu benutzen. So könnten beispielsweise Webserver per DDoS lahmgelegt werden.

Aber was ist dran an den Warnungen? Fachleute wie beispielsweise die IT Security-Experten des Info-Portals The Register sind skeptisch. Dort gibt man unter anderem zu bedenken, dass besagte Zeitschrift bereits mehrfach mit derartigen Meldungen übers Ziel hinausgeschossen ist, wofür auch Beispiele gebracht werden. Außerdem gab es bereits im vergangenen Jahr einmal solche Gerüchte, denen keine Taten folgten.

Sicherheitsexperte Gadi Evron hatte im Interview mit The Register noch weitere kritische Anmerkungen: „Cyber-Dschihad auf dem Niveau von Angriffen auf Websites wird jeden Tag, aus den verschiedensten Gründen, von Enthusiasten durchgeführt. Der Inhalt dieser Warnung ist zweifelhaft. Es gibt weltweit keine hunderttausende Leute, die sich mit IT-Security beschäftigen, schon gar nicht in Diensten von Al Qaida.“

Während also Cybercrime eine reale Bedrohung ist und uns täglich dazu anhalten sollte, unsere Systeme technisch sinnvoll abzusichern und allzu sorglosen Umgang mit unseren Daten zu vermeiden, wäre es völlig fehl am Platze, jetzt angesichts derart unfundierter Warnungen in eine Terror-Hysterie auszubrechen. Die Schilderungen, die im Netz kursieren, dürften zumindest heftig übertrieben, wenn nicht gegenstandslos, sein. Momentan geht wahrscheinlich eine wesentlich ernsthaftere Bedrohung vom Storm Worm aus als von irgendwelchen Möchtegern-Dschihadis. Eher sollte man der Vorstellung vom „Gotteskrieg für Nerds“ eine humoristische Seite abgewinnen (was könnte ich dazu für geile Karikaturen zeichnen, wenn ich zeichnen könnte…) und lieber erwägen, seine Computer bei SETI at home oder noch besser meinem Favoriten Einstein at home mitrechnen zu lassen.

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2 Kommentare leave one →
  1. 4. November 2007 6:35 pm

    Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich allerdings gehört, daß islamistische Gen-Wissenschaftler einen riesigen Hintern gezüchtet haben, der die westliche Welt in Schutt und Asche fu**** soll.

    Außerdem haben ebenso gut unterrichtete Kreise (echte Kenner der Szene übrigens) Informationen, wonach Al Qaida für Montagmorgenstaus in Innenstädten, Zugverspätungen und die Teuerung bei Milchprodukten verantwortlich sind.

    Meine Güte … wozu brauchen wir eigentlich noch Terroristen, wenn wir uns durch Fehlinformationen, passende Gesetze und berufsmäßige Angstverbreitung selbst fertig machen?

  2. freiheitblog permalink*
    4. November 2007 6:59 pm

    Als Inspiration? Ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht genau. Wäre ich Islamistin, würde ich mir angesichts der Bereitschaft des Westens, aus nichtigem Anlass in Panik und Freiheitsfeindlichkeit zu verfallen, sehr mächtig vorkommen.
    Übrigens scheint selbst Heise Security die Warnungen einigermaßen ernst zu nehmen, normalerweise sind die nicht so terrorhysterisch. Komische Welt…

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