Skip to content

Abhören per Bundestrojaner

6. Oktober 2007

Einen kreativen neuen Einsatzzweck für den momentan unterbeschäftigen Bundestrojaner hat nach einem Bericht von heise online der Zollfahndungsdienst gefunden. Dieser hat die Technik zur Online-Durchsuchung in zwei Fällen dazu eingesetzt […], Internet-Telefonate zu überwachen. Damit sind sie offenbar noch nicht einmal allein. Das bayerische Landeskriminalamt hat bestätigt, ähnliche Taktiken angewendet zu haben, also auf dem Rechner verdächtiger Personen Software installiert zu haben, die das Mithören der Telefonate ermöglicht.

Der weitere Dammbruch liegt hierbei nicht beim Abhören eines Telefonates. Solche Praktiken gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten, und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Trotzdem hat dieser Fall eine andere Qualität, was nicht am Abhören als solchem liegt, sondern an der verwendeten Technik. Anstatt die Daten abzufangen, nachdem sie den Rechner verlassen haben (und damit als „Kommunikationsdaten“ vorliegen), wurde auf den Rechner des Betroffenen selbst zugegriffen.

Damit bewegt man sich sehr nahe an die Online-Durchsuchung heran, die momentan (zu recht) nicht mehr stattfinden darf und von der Datenschützer hoffen, dass sie demnächst vom Bundesverfassungsgericht komplett als verfassungswidrig eingestuft wird. Anstatt dem reinen „mithören“ der Daten über das Netz wird hier auch auf die Festplatte des Betroffenen zugegriffen- mit allen Risiken, die das hat.

Da wäre zum einen das immense Missbrauchspotential einer solchen Maßnahme. In aller Regel wird der ermittelnde Beamte professionell handeln und seinen Auftrag ausführen, aber was, wenn er es nicht tut? Die privaten Daten des Betroffenen lägen praktisch ungeschützt und zum Greifen nahe vor ihm herum. Keine beruhigende Perspektive.

Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Risiko sind möglicherweise von der Software aufgerissene Sicherheitslücken. Zwar heißt es, dass dies nicht passiert, aber auch die Regierung und die Ermittlungsbehörden haben sicher noch keinen Weg gefunden, Programmier- und Bedienfehler sowie Kompatibilitätsprobleme bei ihrer Software vollkommen auszuschließen, und somit ist auch ein Sicherheitsrisiko immer gegeben.

Eine höchst fragwürdige Maßnahme also, die ein unverhältnismäßiges Risiko für die Betroffenen darstellt und hoffentlich bald verboten wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: