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Cold War reloaded?

29. Juni 2007
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Das Gefühl, dass einige Politiker zuviel bei „1984“ oder „Gattaca“ abgeschaut haben, hat man in letzter Zeit ja leider öfter. Zusätzlich kommt es jetzt aber anscheinend auch vor, dass man eine News-Meldung liest und das Gefühl hat, in einen Roman von Tom Clancy geraten zu sein. In diese Kategorie fällt zum Beispiel dieser BBC-Artikel. Darin wird über Raketentests der Russen berichtet, deren Raketen (see-basiert und von Atom-U-Booten getragen) offenbar das Ziel haben, auch Raketenabwehrsysteme wie das von den USA geplante zu durchdringen.

Die Rakete kann sechs atomare Sprengköpfe tragen, die jeweils eigene Ziele ansteuern können. Präsident Putin bezeichnete sie als „einen elementaren Bestandteil der zukünftigen nuklearen Kampfkraft der Russen“ und betonte, sie könne „jeden geplanten Raketenabwehrschild durchdringen“.

Wenn man das liest, kann man glauben, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Irgendwoher kennen wir das doch alles (auch wenn ich persönlich zu Zeiten des Kalten Krieges, Version 1.0, noch etwas zu jung war, um alles mitzubekommen).

Wer aber hat ein Interesse daran, überwunden geglaubte Animositäten wieder aufleben zu lassen? Sicher, die Russen können anscheinend das Säbelrasseln nicht lassen, aber wer die Schuld nur bei ihnen sucht, macht es sich zu einfach. Der amerikanischen Regierung muss klar gewesen sein, dass die russische Regierung eher nicht im Verdacht steht, in absehbarer Zeit einen Friedensnobelpreis verliehen zu bekommen. Trotzdem stationierte man besagtes Raketenabwehrsystem (mehr Rakete als Abwehr) in Osteuropa- und muss sich dabei im Klaren gewesen sein, dass das von den Russen als Provokation aufgefasst werden würde.

Man darf fast unterstellen, dass die USA die Verstimmungen zwischen ihnen und den Russen (die leicht zu etwas ernsterem ausarten können) billigend in Kauf genommen haben, weil sie ihnen eigentlich sehr gelegen kommen. Sozusagen als Backup-Lösung für den Fall, dass die terroristische Bedrohung einmal nicht mehr ausreicht, um immer neue Waffen, Militäreinsätze auf der ganzen Welt und Einschränkungen der Bürgerrechte zu fordern. Das mit den bösen Russen hat ja schon einmal sehr gut funktioniert.

Egal, wie genau die Motive sind- in Amerika spielt man mit dem Feuer; ist im Begriff, sich auf etwas einzulassen, dessen Folgen man unmöglich überblicken oder kontrollieren kann. In den Zeiten des Kalten Krieges stand unsere Welt mehrfach so kurz vor dem Abgrund, dass es besser für die geistige Gesundheit ist, darüber nicht allzu genau nachzudenken. Wer bewusst riskiert, diese oder ähnliche Zustände wieder einzuführen, handelt verantwortungslos, irrational und zutiefst unethisch.

Das aber hat einige der Beteiligten damals auch nicht abgehalten. Wenn wir Pech haben, entwickelt sich diese Geschichte zu einem Beweis dafür, dass leider nur die wenigsten Leute aus der Geschichte lernen. Um einen der Lieblings-Sätze eines Freundes zu zitieren „Because history repeats itself“. Noch dürfen wir hoffen, dass sich dieser spezielle Teil der Geschichte nicht wiederholt.

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2 Kommentare leave one →
  1. 29. Juni 2007 1:50 am

    Dem kann man wohl nichts hinzufügen. Man kann nur hoffen, dass einigen Personen doch noch einfällt, wo wir schon mehrmals kurz davor standen (man denke nur mal an 1962 und die Kubakrise, um nur mal ein Beispiel zu nennen), und wo eigentlich keiner wieder hin will.

  2. 29. Juni 2007 2:56 am

    In dem Zusammenhang fand ich den Schachzug von Putin genial, Bush vorzuschlagen, die Radarstation in Zusammenarbeit mit den Russen in Aserbaidschan zu bauen. Wenn die Radarstation wirklich nicht gegen die Russen gerichtet sein soll, hat Bush keine echte Ausrede dagegen.
    Das wirklich Verquere an der ganzen Sache ist aber, dass der Raketenschirm auch ohne die neuen russischen Waffen wirkungslos gegen das rote Riesenreich gewesen wäre und ich den Amis tatsächlich glaube, dass die weniger die Russen als Ziel in Betracht gezogen hatten. Tatsächlich ist das Raketenabwehrsystem eher ein politisches Mittel, die Polen und Tschechen näher an die USA zu binden, was natürlich kaum offen zugegeben wird und deswegen kein offizieller Absagegrund an die Russen sein kann. Dazu kommt aber natürlich auch, dass die amerikanischen Militärs den Russen nicht über den Weg trauen und mit denen keine gemeinsamen Projekte unternehmen möchten.

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