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Der moderne Terrorist- ein Idiot?

17. Juni 2007

In einem bemerkenswerten Artikel hat der bekannte IT-Sicherheitsexperte Bruce Schneier am Beispiel des versuchten Anschlages auf den John F. Kennedy-Flughafen in den USA dargestellt, wie sehr die terroristische Bedrohung teilweise von den Medien und der Regierung übertrieben wird. Schneier belegt, dass der Anschlag in der Art, wie er geplant war, äußerst dilettantisch war und wenig Potential zu ernsthafter Zerstörung bot.

Dies allerdings ist laut Schneier in den Medien ganz anders dargestellt worden, wo beispielsweise verlautete, dieser Anschlag hätte „das Potential gehabt, zu einem zweiten 11. September zu werden“. Eine abweichende Meinung vertrat wohl als einer der Wenigen New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, den Schneier mit den Worten „Sie werden in der Welt von sehr vielen Dingen bedroht. Es gibt beispielsweise die Bedrohung, aus genetischen Gründen an einem Herzinfarkt zu sterben. Sie können nicht da sitzen und sich über alles mögliche Sorgen machen. Schaffen Sie sich ein Leben an… Sie laufen weit eher Gefahr, vom Blitz getroffen als von einem Terroristen erwischt zu werden,“ zitiert.

Wie zu erwarten musste Bloomberg sich ein äußerst negatives Medienecho auf seine Worte gefallen lassen in einer Gesellschaft, in der es schon zum guten Ton gehört, Angst zu haben. Scheinbar ist es politisch alles andere als korrekt, die Bedrohung des Terrorismus auch nur halbwegs realistisch einzuschätzen.

Zu diesem Schluss kommt auch Bruce Schneier: „Terrorismus ist eine reale Bedrohung und eine, auf die wir angemessen reagieren müssen. Aber wenn wir uns von Möchtegern-Terroristen mit unrealistischen Plänen in Angst und Schrecken versetzen lassen – oder noch schlimmer, zulassen dass unsere grundlegenden Freiheiten verloren gehen, weil genau diese Leute als Entschuldigung herangezogen werden- ist das falsch.“

Besser kann man das, was derzeit geschieht, kaum zusammenfassen. Schneier untermauert seine Theorie noch mit verschiedenen Beispielen von „inkompetenten Terroristen“, deren Aktivitäten von den Medien aufgebauscht wurden, und ruft zu einer „gesunden Skepsis“ gegenüber offiziellen Darstellungen auf.

Schließlich belegt Schneier sogar, dass die derzeitige Terrorismus-Panik einer effektiven Sicherheitspolitik eher im Wege stehen als sie zu fördern: „Es gibt eine reale Bedrohung durch den Terrorismus. Und während ich sehr dafür bin, dass die Terroristen so inkompetent bleiben, weiß ich, dass sich einige als fähiger erweisen werden. Wir brauchen echte Sicherheit, die nicht darauf beruht, dass wir die Taktik oder das Ziel der Terroristen erraten: Aufklärung und Nachforschungen – genau die Dinge, durch die all diese Möchtegern-Terroristen gefasst wurden – und die richtigen Reaktionsmuster für den Notfall. Aber die Rhetorik vom „Krieg gegen den Terror“ ist eher Politik als Vernunft. Wir sollten nicht zulassen, dass die Politik der Angst unsere Sicherheit einschränkt.“

Derart kompetent und treffend wurde das Thema meiner Meinung nach selten behandelt. Ich wäre dafür, diesen Artikel zur Pflichtlektüre für alle Politiker in den USA und der EU zu machen.

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