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Cyberkrieg die Zweite

15. Juni 2007

Kurz nachdem Meldungen über das amerikanische „Cyber Command“ zur Sicherung der Vorherrschaft der USA im Internet an die Öffentlichkeit gelangten beschäftigte sich nun auch die NATO mit der Thematik eines möglichen Cyberkrieges. Laut heise online hat US-Verteidigungsminister Robert Gates seine Amtskollegen aus den anderen NATO-Staaten massiv dazu gedrängt, Pläne für den Fall eines derartigen Angriffs auszuarbeiten. Dabei schreckte er noch nicht einmal davor zurück, die Angriffe auf Server der estnischen Regierung vor kurzem als Beispiel für die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios zu nutzen- obwohl diese Angriffe nicht, wie zwischenzeitlich spekuliert, aus Russland kamen (mit dem es aufgrund estnischer Denkmäler für die Rote Armee politische Differenzen gab), sondern doch eher von irgendeinem übereifrigen Botnet-Herder. Nicht wirklich ein Cyberkrieg, also, sondern eher der alltägliche Wahnsinn zur heutigen Zeit (auch deutsche Anti-Spam-Datenbanken, ebenso wie Server der Bundesregierung und Mailprovider, standen bzw stehen ja momentan unter Dauerbeschuss). Das allerdings schien Mr. Gates, in dieser Frage unterstützt von seinem Kollegen aus Estland, nicht zu bremsen.

So schrieb man dann auch kurzerhand in die Abschlusserklärung des Treffens „angesichts jüngster Cyber-Attacken auf die elektronische Infrastruktur eines Verbündeten ist dringende Arbeit an der Verbesserung des Schutzes der Informationssysteme der Allianz vor Cyber-Attacken nötig“. Das „Schutz“ bei diesem illustren Personenkreis keineswegs bloße Verteidigung bedeutet, sondern eher die Themenkomplexe „Prävention“ und „Gegenschlag“ mit umfasst, ist denke ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Auch das viel diskutierte Raketen“verteidigungs“system umfasst ja, wie jemand mal sehr treffend bemerkte (leider ist mir entfallen, von wem das Zitat stammt, und auch Yahoo und Google zeigen sich eher unkooperativ; wer es weiß, bitte als Kommentar posten, danke) „mehr Rakete als Verteidigung“. Von daher ist denke ich abzusehen, von welcher Art die Pläne auch in Sachen Cyberkrieg sein werden.

Laut Wall Street Journal soll demnächst geklärt werden, ab welchem Punkt bei einem Cyber-Angriff der Bündnisfall ausgelöst würde.  Man darf also gespannt sein.

Es ist besorgniserregend, wie ein lange Zeit vergleichsweise freies und friedliches Medium wie das Internet zunehmend zum Schauplatz von internationalen Machtspielchen und Militarisierung wird. Jetzt ist es an uns, den friedlichen Bürgern der realen wie der virtuellen Welt, beide nicht ohne Widerstand aufzugeben.

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