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Weltherrschaft dank „Cyber Command“?

14. Juni 2007

Die USA haben anscheinend mittlerweile begriffen, wie wichtig das Internet in Zukunft für unsere Gesellschaft sein wird. Leider ist ihre Reaktion auf diese Erkenntnis bezeichnend für alles, was auch im „Real Life“ momentan gesellschaftlich falsch läuft. Das Internet als Spiegel der Gesellschaft, in diesem Fall im eher negativen Sinn.

Wie heise online berichtet, haben die Amerikaner nun eine neue Task Force ins Leben gerufen, die auf den Namen „Cyber Command“ hört und „die eigenen Kapazitäten der Kriegsführung im Cyberspace verbessern soll“. Ja, genau. Kriegführung. Scheinbar reichen die herkömmlichen Schauplätze, auf denen man Leute totschießen, Infrastruktur in Schutt und Asche legen und dem Gegner sonstwie schaden kann, den Amerikanern nicht mehr aus und daher muss nun ein neuer Schauplatz her. Sicher, die Idee eines „Cyberkrieges“ ist nicht neu- diese eiskalte Durchorganisierung der ganzen Sache „von oben“ in einem derart großen Maßstab ist es indes schon.

Als Begründung wird angeführt, „dass der Cyberspace ein mögliches Gravitationszentrum für die USA ist und Informationsüberlegenheit, ganz ähnlich der Luft- und Weltraumüberlegenheit, die Voraussetzung für effektive Operationen in allen Bereichen der Kriegsführung darstellt“ (so US-Luftwaffengeneral Robert Elder über das neue Projekt). Es scheint also ganz so, als wollten die USA ihren Wunsch nach militärischer Überlegenheit wieder einmal zu einer neuen Front verlagern- Anfang des 20. Jahrhunderts war es die Luftüberlegenheit, in den 50er und 60er Jahren folgte das „Space Race“, später „Star Wars“ und nun muss offenbar der Cyberspace dran glauben (zum amerikanischen Überlegenheitsanspruch empfehle ich btw das Buch „Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie“ von Chalmers Johnson).

Die neue „Cyber Command“-Einheit soll nun binnen eines Jahres fertig aufgebaut sein. Genaue Informationen über Struktur und Größe liegen momentan nicht vor. Es ist aber mit einer ziemlich schlagkräftigen Truppe zu rechnen, schließlich lauern Schurkenstaaten und Terroristen ja überall- ganz zu schweigen von „Kriminellen und Hackern“. Sicher doch. Ein Staat, der aus Angst vor irgendwelchen Industriespionen und gelangweilten Teenagern mit zu vielen IT-Kenntnissen im Verhältnis zur geistigen Reife (oder auch den „echten“ Hackern, die sich für die Freiheit im Cyberspace einsetzen und der US-Regierung wahrscheinlich schon deswegen suspekt sind) eine derart riesige militärische Infrastruktur aufbaut, hat ein Problem. Ein großes. Ich würde spontan tippen, er hat Angst und versucht diese mit überzogenen „Sicherheitsmaßnahmen“ zu bekämpfen. Angst aber war schon immer ein schlechter Ratgeber.

Unsere Regierung allerdings könnte sich möglicherweise über „Cyber Command“ freuen, immerhin hat man jetzt wen, den man fragen kann, wenn es mit dem Bundestrojaner mal nicht so klappt. Für ein paar Daten extra helfen die Jungs vom Cyber Command sicher gerne aus. Man kann das ganze ja einfach als „Amtshilfeersuchen“ deklarieren- in einem Zeitalter, in dem unter diesen Begriff sogar Militärjets über Demonstrantencamps fallen, dürfte das weiter kein Problem darstellen.

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