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Ver-„apple“t?

3. Juni 2007
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Wie ein Artikel bei heise online berichtet, soll Apple bei seinen neuen, zuerst viel gelobten DRM-freien Musikstücken möglicherweise „hintenrum“ als Datenkrake tätig werden. Die Dateien kommen zwar ohne die üblichen Einschränkungen (beispielsweise bezüglich der Anzahl der Kopiervorgänge und der zum Abspielen nutzbaren Player), werden aber mit Name und EMail-Adresse des Kunden markiert.

Nun vermuten Bürgerrechtler von der Electronic Frontier Foundation (EEF), dass möglicherweise auch noch weit mehr Informationen gespeichert werden. Dies schlossen sie daraus, dass das selbe Musikstück bei zwei verschiedenen Personen unterschiedliche Dateigrößen aufwies, obwohl es sich im Audiosignal nicht unterschied. Es wird vermutet, dass Apple eine neuartige Möglichkeit entwickelt hat, Informationen (möglicherweise das Wasserzeichen, oder aber Informationen über die auf dem Kunden-PC vorhandene iTunes-Bibliothek; das Problem ist zunächst einmal, dass sich absolut nicht kontrollieren lässt, was hier wie gespeichert wird) direkt im AAC-Encoding unterzubringen.

Dies ließe sich, falls es stimmt (was diverse Hacker/Cracker wahrscheinlich in absehbarer Zeit herausfinden werden) nur durch eine Konvertierung des Dateiformates umgehen, was wieder eine Menge Rechenzeit beansprucht und möglicherweise auch mit Qualitätseinbußen verbunden ist- abgesehen davon, dass man zunächst einmal die genauen Nutzungsbedingungen kennen müsste, um zu wissen, ob man sich hiermit nicht in eine rechtliche Grauzone begibt.

Falls an den Verdächten etwas dran ist (und es ist nicht davon auszugehen, dass eine Organisation wie die EEF Wert darauf legt, sich mit wilden Spekulationen aus dem Fenster zu lehnen und so Glaubwürdigkeit einzubüßen) würde das dem Ruf von Apple sicher nicht gerade gut tun. Dass es zu einem Skandal vom Ausmaß des öffentlichen Aufschreis über das „Sony-Rootkit“ vor zwei Jahren kommen wird, ist zwar nicht zu erwarten, aber negative Presse und sinkende Absatzzahlen wird man sich höchstwahrscheinlich schon gefallen lassen müssen.

Zu recht, denn wenn man meint, ein derartiges Verfahren anwenden zu müssen (worüber sich sicher streiten lässt) ist es das mindeste, die Kunden vorab darüber zu informieren. Alles andere ist mindestens schlechter Stil. Wenn man die Katze im Sack anbietet, die auf dem Rechner des Kunden wer-weiß-was an Daten sammelt und/oder speichert, darf man sich über eher unbegeisterte Reaktionen nicht wundern. Und so naiv, zu glauben, dass man nicht auffliegt, kann man eigentlich doch fast schon nicht sein. Dazu gibt es viel zu viele intelligente, kreative, neugierige Menschen da draußen, die sich viel und gerne mit dem Computer befassen und nicht alles als gegeben hinnehmen, was ihnen suggeriert wird.

Ich jedenfalls weiß jetzt wieder, wieso ich niemals Musik online kaufen würde. DRM hin oder her, man weiß nie, was einem da untergejubelt wird. Da können selbsternannte „Experten“ die Musik-CD noch so lange als tot und Online-Stores als Zukunftsmodell bezeichnen- ich bleibe dabei, den Musikhändler meines Vertrauens (oder notfalls auch mal Saturn und Amazon) zu beehren und mir da das neueste Metal-Album als Hardcopy zu besorgen. Kein DRM, keine versteckten Wasserzeichen und falls sich mal die Festplatte verabschiedet steht die CD noch daneben im Regal. Abgesehen davon, dass ich den Online-Shop sehen will, der an die Qualität der genialen Variable-Presets vom LAME auch nur annähernd herankommt. Und so lange braucht ein halbwegs moderner PC zum encodieren nun wirklich nicht. Selbst der in Würde gealterte Pentium 3 meines Vaters schafft ein Album mit der richtigen Software in unter einer Stunde.

UPDATE: Scheinbar nimmt die Kontroverse schon ihren Lauf, wie mittlerweile auch die BBC berichtet…

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