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Früh übt sich

31. Mai 2007

Wie die BBC auf ihrer Website berichtet, sollen Lehrer an englischen Schulen nun das Recht haben, Schüler auf Waffen zu durchsuchen. Sobald der Verdacht besteht, dass ein Schüler eine Waffe (beispielsweise ein Messer) bei sich hat, soll eine solche Durchsuchung möglich sein, bei der auch Metalldetektoren (vergleichbar denen an Flughäfen) zum Einsatz kommen.

Für die Lehrer soll es ein spezielles Training geben, damit sie die Durchsuchungen sinnvoll durchführen können. Begründet wird die Maßnahme damit, dass den Schülern deutlicher klargemacht werden müsse, dass das Mitbringen von Waffen an Schulen nicht toleriert werde. Obwohl, wie Bildungsminister Alan Johnson selbst einräumte, derartige Vorfälle selten sind, hält man eine Verschärfung der Regeln für notwendig. Bisher musste bei dem Verdacht, dass ein Schüler möglicherweise bewaffnet ist, die Polizei gerufen und auf deren Eintreffen gewartet werden. Bis dahin, so die Begründung für die jetzt beschlossene Regeländerung, könnte das Corpus Delicti bereits weitergereicht worden sein.

Irgendwie kommt einem die Argumentation in dieser Frage seltsam bekannt vor. Eine prozentual relativ seltene Gefahr, die angeblich nur mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen bekämpft werden kann, die Einstufung bisheriger Reaktionsmuster als „ineffektiv“ und ein damit verbundener Eingriff in die persönlichen Freiheiten- woher kennen wir das nur?

Scheinbar ist etwas dran an der Behauptung, dass Schulen ein Ebenbild der Gesellschaft darstellen. Dies ist umso trauriger als es hier eine Möglichkeit gäbe, jungen Leuten eine Alternative zu zeigen zu Repressionen und ständiger Kontrolle; ihnen zu zeigen, dass sie Rechte haben und dass diese ernst genommen werden. Bevor mir jemand unterstellt, nicht zu wissen, wovon ich rede- ich habe es jahrelang erlebt, dass man auch an einer Gesamtschule mit einem sehr gemischten Publikum (relativ hoher Ausländeranteil und so ziemlich alles vom Unterschicht-Chaoten über den völlig unmotivierten Kiffer bis hin zur Streberin erster Güte) ohne derartige Maßnahmen miteinander umgehen und im Schulalltag ein Mindestmaß an Respekt an den Tag legen kann.

Leider scheint dies nicht mehr gefragt zu sein in einem Land, in dem für das Entkommen von Terrorverdächtigen mal schnell die Bürgerrechte verantwortlich gemacht werden. Statt dessen schwenkt Johnson ganz auf den Kurs von Blair & Co. ein und weiß sich scheinbar auch schon angesichts rebellischer Teenager nicht mehr anders zu helfen als mit einer Einschränkung von deren Rechten.

Da fragt man sich doch: Was sollen die Schüler an einer solchen Schule lernen? Dass es reicht, sich „verdächtig“ zu verhalten, um auf die schnelle und notfalls vollkommen willkürlich mit demütigenden „Sicherheitsmaßnahmen“ in Kontakt zu kommen? Dass die offiziellen Ordnungshüter mittlerweile schon ihre „Hilfssherriffs“ einsetzen, um die „Drecksarbeit“ zu erledigen? Dass sie sowieso alle verdächtig sind, einfach weil sie Schüler sind und die Regierung das so sagt? Dass einige „seltene“ Zwischenfälle schon als Bedrohung gelten und schärferes Durchgreifen rechtfertigen?

Glückwunsch, toller Lehrplan, Herr Johnson. Nach einer solchen Schule sind die Schüler dann ja bereits hinreichend sozialisiert- auf dem besten Weg zu guten Bürgern der „Suspect Nation“. Armes England- und wenn wir uns weiterhin nach Kräften bemühen, auf dem Weg in den Überwachungstaat mit den USA und England mitzuhalten auch armes Deutschland. Man darf gespannt sein, wann hier der erste ähnliche Maßnahmen an den Schulen fordert.

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