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Zugeballert

28. Mai 2007

Laut heise News haben Botnet-Betreiber seit dem vergangenen Wochenende eine verstärkte Spam-Welle auf das Internet losgelassen. Zahlreiche Mailserver sind durch diesen Dauerbeschuss bereits hart am Limit, teilweise haben die Provider sogar schon begonnen, Hardware nachzurüsten, nur um überhaupt noch einen halbwegs normalen Betrieb gewährleisten zu können.

Anscheinend verdienen die Kiddies, die sich Trojaner basteln (oder irgendwo herunterladen) und damit Botnets unter ihre Kontrolle bringen, die sie dann an Cyberkriminelle und Spamversender vermieten, immer noch recht gut an diesem „Nebenjob“. Es sieht nicht so aus, als wäre in absehbarer Zeit ein Ende der Spamflut abzusehen. Eher im Gegenteil, das Ganze scheint eher noch in eine neue Dimension zu gehen. Auch wenn ich persönlich einen von einigen Experten prophezeihten „Totalzusammenbruch des Internets“ für eher unwahrscheinlich halte, ist es doch absehbar, dass viele Provider in nächster Zeit ernsthafte Probleme bekommen werden, die Verfügbarkeit ihrer Dienste zu gewährleisten.

Für Admins sind es definitiv stressige Zeiten- zur Arbeitsüberlastung durch das immer weiter anwachsende Spam-Problem (wenn demnächst der Kaffee knapp wird, weiß ich wieso) kommt ja noch die momentan herrschende rechtliche Unsicherheit durch die neu gestrickten Paragraphen 202c, 129a und den erweiterten 303b (Strafgesetzbuch). Anscheinend muss man ja mittlerweile warten, bis einem die Botnet-Herder Gelegenheit zu einem Praxistest geben, bevor man die Sicherheit eines Systems im Härtefall realistisch überprüfen kann. Leider ist es für das Beheben eventueller Fehler ohne Ausfall dann meistens schon zu spät. Auch wenn die Vorstellung, dass eine Horde bewaffneter Polizisten das Rechenzentrum stürmt und Admins bei der Arbeit festnimmt, extrem unwahrscheinlich ist, kann man doch nicht unbedingt von idealen Arbeitsbedingungen sprechen, wenn Admins und Penetration Testers mit dem sprichwörtlichen einen Bein im Knast stehen.

Auch die Nachwuchsgewinnung dürfte nicht allzu einfach sein für eine Branche, die mit derartigen Problemen (nein, ich meine nicht den Spam, der ist zwar kriminell, sinnlos und gehört effektiv bekämpft, aber sowas ist eine professionelle Herausforderung und gehört momentan zum Job) zu kämpfen hat. Und wie sich der eine oder andere dunkel erinnern mag herrscht was die Informatik angeht in Deutschland eh seit längerem heftiger Fachkräftemangel. Ein Blick in die halbleeren Hörsäle an der FH lässt mich nicht gerade glauben, dass sich das sehr bald ändern wird- und mit solchen Gesetzen schon gar nicht.

Naja, laut besagtem heise-Artikel sollen auch die Server der Bundesregierung momentan heftigst unter Beschuss stehen. Vielleicht sehen die Damen und Herren Minister ja endlich einmal ein, dass sie lieber mehr Geld in Bildung und Forschung investieren sollten, um im 21. Jahrhundert konkurrenzfähig zu sein, anstatt mit Sinnlos-Gesetzen mal eben eine halbe Branche zu kriminalisieren. Taiwanesische Teenager, die Tausende von Rechnern in aller Welt fernsteuern, scheren deutsche Gesetze nämlich ohnehin nicht. Schaden tun 202c und Co. nur denjenigen, die gegen solche Angriffe vorzugehen versuchen. Vielleicht ist ja die derzeitige Spamlawine in dieser Hinsicht ganz heilsam. Immerhin haben schon mehr scheinbar hoffnungslose Fälle Dinge auf die harte Tour gelernt…

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