Weiße Folter
Im Netz stieß ich heute auf einen Blogeintrag von renju, in dem er über die sogenannte „Weiße Folter“ schreibt. Dabei handelt es sich um Techniken, bei denen nicht direkt körperliche Gewalt angewendet wird, sondern Menschen durch andere, subtilere Methoden gebrochen werden sollen. Die Bezeichnung „Weiße Folter“ ist möglicherweise irreführend, denn es ist nichts harmloses daran, auch wenn es von den Verantwortlichen teilweise so dargestellt wird. Vielmehr sind diese Methoden dazu geeignet, bei den Opfern langfristige, teilweise ein Leben lang andauernde Schäden zu hinterlassen, wie renju in seinem Artikel auch schreibt. „Weiße Folter bringt die Gefangenen an den Rand des Wahnsinns. Die weiße Folter bringt Gefangene zum Reden. Es ist eine Folter, ein Psychokrieg, bei dem wohl jeder irgendwann bricht,“ schreibt renju. Das deckt sich mit Beschreibungen, die beispielsweise auch Amnesty International im Rahmen der Kampagne „Unsubscribe me“ veröffentlichte und teilweise auch mit Videos anschaulicher machte. Wie diese Videos sind die folgenden Beschreibungen, die ich von renju übernommen habe, nicht unbedingt etwas für Jugendliche oder besonders empfindliche Personen. Weiterlesen also erst hinter dem more-Tag.
In dem Artikel werden vier verschiedene Techniken erwähnt:
Lange Zeit stehen: Angekettet müssen Gefangene mehrere Stunden bzw. Tage bewegungslos rumstehen bis zur totalen Erschöpfung.
Waterboarding: Ist die erwähnte Scheinhinrichtung bei der dem Gefangenen ein Sack über den Kopf gezogen und dann mit Wasser übergossen wird. Dadurch wird er Würgereflex ausgelöst… das Opfer denkt es ertrinkt.
Käfighaltung: Über mehrere Tage muss der Gefangene in 1 Meter großem Käfig hocken und das immer in der selben Position! Das Opfer wird danach wahrscheinlich lebenslang an Panikattacken leiden.
Permanente Geräusche: Mit Lärm aus Lautsprechern (Musik) wird das Opfer über Tage in einer kleinen Einzelzelle beschallt. Dadurch entstehen Panikattacken, Schwindelanfälle und starke Kopfschmerzen.
Diese Techniken widersprechen, auch wenn manche Leute sie nicht als Folter bezeichnen, sondern zahlreiche euphemistische Ausdrücke dafür finden, in keiner Weise den Standards, die festlegen (sollten?), wie wir als zivilisierte Menschen miteinander umgehen – oder wie ein demokratischer Rechtsstaat mit Menschen umgehen sollte. Umso erschreckender, dass sie nicht irgendwo weit weg in einem diktatorischen Regime vorkommen, sondern von einer Nation durchgeführt wurden (oder sogar noch werden), die eigentlich eine stabile Demokratie und einer unserer Verbündeten im „Kampf gegen den Terror“ ist: Den Vereinigten Staaten von Amerika. Genau dieser Kampf gegen den Terror aber führt offenbar bei vielen Beteiligten dazu, Maßstäbe, die unabhängig von den äußeren Umständen Gültigkeit haben sollten, zu ignorieren. Insbesondere in den „Black Sites“ genannten, außerhalb der USA gelegenen Geheimgefängnissen der CIA scheinen die Menschenrechte nur noch eingeschränkt zu gelten.
Jenseits der Überwachungsthematik gibt es hier also einen weiteren Grund, sowohl der Politik der USA zu misstrauen als auch unser eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen. Sicher, gefoltert wird in und von Deutschland glücklicherweise nicht. Aber tun wir wirklich genug, um solche Praktiken bei unseren Bündnispartnern zu verhindern? Und sind wir wirklich konsequent in der Einhaltung des Grundsatzes, dass rechtsstaatliche Grundsätze auch in Zeiten des Terrors zu gelten haben? Der Grundsatz „wehret den Anfängen“ gilt wie so oft auch hier, und schon deswegen geht dieses Thema uns alle an. Denn wenn wir zu Praktiken wie den oben beschriebenen greifen – wo ist dann letztlich der Unterschied zwischen uns und den Terroristen, die wir bekämpfen?






POUR LA LIBERTÉ – hommage
Keiner sieht mich
Keiner hört mich
Keiner verliert mich
Keiner ergibt sich
Keiner vergisst sich
Keiner weiß
Keiner den Hauch des Atems sieht
Keiner den Sternen Glanz poliert
Bevor er verblasst
am Morgen danach und keiner verliert mich.
Weißt du wie viel Tränen mich berührten
weißt du wer sich sorgt um mich
wenn die Dunkelheit mich umfängt
weißt du wer meine Sprache spricht
weißt du wer in meiner Einsamkeit
sich an meine Seite legt
weißt du
wer es morgen sein wird
weißt du wer es morgen sein wird
der mich morgen bricht
Und keiner verliert mich
und keiner verliert mich
hommage an die freiheit und für die freiheit
Jo Dhevi – 18.11.2008
Das ist sehr schön! Selbst geschrieben?
Ja, für Amnesty.
Bist Du da aktiv?